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Nach 95 Tagen ...


… und - coronabedingt - ganzen zehn Tagen in Namibia wissen wir: Das Land ist einfach unglaublich. Bäume, die singen, Samen, die hüpfen - und Kassler Ripperl mit Sauerkraut im Supermarkt. Unterirdische Flüsse, feuerrote Riesendünen und Landschaften wie von Dalí erdacht. Das alles gehört mittlerweile den Chinesen - fast.


Von Windhoek nach Swakopmund fährt man von der grün-ockerfarbenen Savanne in die absolute natürliche Leere: kein Berg, kein Baum, kein Strauch, kein Haus, kein Mensch,- nur Himmel, Staub und der Horizont.


Und wenn man denkt, als nächstes verschwinden auch die, sieht man plötzlich vor sich: den Atlantik und die Gebäude der Stadt an der Mündung des Swakop: deutsche Kolonialbauten neben Ansiedlungen, die an südafrikanische Townships erinnern. Da gibt es eine Bismarckstaße und ein Heldendenkmal für die Gefallenen der deutschen Schutztruppe, die das Herero-Volk fast vernichtet hätte. Und die besten Austern der Welt.


Weiter südlich, in der Namib-Wüste, hat die Natur sich aufs Wesentliche konzentriert. Und daraus eine landschaftliche Schönheit gezaubert, die einen ergriffen macht: dunkelblauer Himmel, mehr als 400 Meter hohe ziegelrote Dünen, dazwischen Akazienbäume, die vor 500 Jahren begonnen haben zu versteinern. Unwirklich, unbegreiflich, überwältigend.

Deutsches begegnet einem immer wieder: Apfelkuchen, Kaiser-Wilhelm-Realschule, Daimlerstraße, deutsche Radiosender. Ein paar Ewiggestrige, viele fleißige Farmer, viel Unsicherheit. Auf der einen Seite hohe Armut bei den schwarzen Einwohnern als Folge von Corona, andererseits steigende Kriminalität - und seit einiger Zeit die Bedrohung aus dem Fernen Osten.


China hat sich in Namibia eingekauft und wächst wie eine Krake: das finanziell prekäre Land hat bei der Volksrepublik Schulden aufgenommen, die es nie zurückzahlen kann. Der Preis: die begehrten seltenen Erden und andere Bodenschätze, die nun mit Hilfe einer chinesisch subventionierten Infrastruktur ausgebeutet werden. Das erzeugt bei vielen Siedlern eine neue Endzeitstimmung.


Wir Deutschen haben nun doch schon nach 115 Jahren anerkannt, dass wir als Kolonialisten einen kleinen Völkermord begangen haben. Das ist verbunden mit einigen Wiedergutmachungsgeldern. Vielleicht können die verhindern, dass Namibia nun eine chinesische Kolonie wird. Darauf wetten sollte man nicht.


Wäre schade um ein Paradies mit singenden Bäumen und unterirdischen Flüssen.


 
 
 

2 Comments


Helmut Zeller
Helmut Zeller
Dec 06, 2021

Namibia muss wirklich ein phantastisches Land sein; danke für diesen eindrucksvollen Reisebericht und weiterhin alles Gute für euch Drei.


Liebe Grüße

Helmut

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d.r.wagner
Dec 05, 2021

Beim Lesen von Schoschens Reiseberichten möchte man sich am liebsten gleich dorthin beamen lassen (bei Corona das sicherste Transportmittel).

Schosch, Du findest immer die passenden Wort dafür, nicht nur Dir und Deinen beiden Damen zu zeigen, wie schön die Welt nicht nur sein könnte, sondern tatsächlich ist. Die Berichte zu lesen über eure Reiseerfahrungen und -eindrücke, ist eine echte Freude.

Und wenn dann noch die absolut begründete Annahme dazu kommt, dass sich bei der nächsten MRT das insgesamt positive Ergebnis der letzten MRT mindestens wiederholt, dann haben wir alle Anlass, uns auf die Zukunft freuen.

Liebe Grüße (ausgeschrieben!),

Detlev

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