Nach 50 Tagen ...
- georgunbehaun
- Oct 23, 2021
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Updated: Oct 28, 2021

… und mehr als 5.000 Kilometern ist es mal Zeit, über den Franzosen an sich zu reden (Pauschalurteile machen einfach Spaß :-). Denn der hat sich in den letzten Jahrzehnten ganz gewaltig zum Positiven verändert. Und in manchen Dingen auch gar nicht.
Fangen wir mal an mit den Fremdsprachen. Während man früher stets eine warme Dusche klarsten Französisch bekam, egal ob man die Sprache oder kein Wort verstand, gibt man sich heute richtig Mühe. Immer mehr Franzosen beherrschen die englische Sprache - zumindest für den Hausgebrauch. Die Aussprache des 'Frenglish' ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber nach fast 20 Jahren Zusammenarbeit mit meinen sympathischen französischen Kollegen läuft's besser als mit jedem anderen Volk (vor allem schlimm: die Spanier, wo jedes th, t oder d ein d ist).
Und wenn dann noch jemand in französisch daherkommt, dann wird drauflosgeknattert, dass der Sinn hier und da auf der Strecke bleibt. Aber nichts mehr mit Arroganz oder Ignoranz, wie das in der Vergangenheit immer wieder der Fall war: Man bemüht sich sehr und findet die Deutschen hier und da richtig cool.
Jeder Gastgeber war freundlich, unaufdringlich, unkompliziert und hilfsbereit, fast alle hatten Hunde (Zusammenhang?). Alle Bedieneriche in den Lokalen waren das ebenfalls, nur ohne erkennbaren Hundebezug.
Nur eine Sache ist und bleibt ein schwieriges Kapitel: das Zusammentreffen von hitzigem gallischen Temperament und französischem dilettantischen Verhalten im Straßenverkehr. Früher fuhren sie gerne zu schnell und gerne gegen Bäume, heute sind sie brav bis spießig, da könnten sie echt Deutsche sein. Männer fahren pedantisch, Frauen ängstlich - was zuweilend recht anstrengend sein kann.
Und wenn dann mal ein rechtsrheinischer Gast sein Gefährt für wenige Sekunden an einer Stelle kurzparkt, die in der französischen Straßenverkehrsordnung nicht vorgesehen ist, dann aber: erst mal intensives Hupen, dann Scheibe runter und sowas von zurechtgewiesen. Beim Beantworten durch bajuwarische Schmährufe beginnt die Szenerie schnell zu eskalieren, was man dann nur mit dem international geltenden Freundschaftsgruß beenden kann: linke Hand ruckartig geöffnet in den Himmel, dann 4 Finger einfahren und Handfläche gleichzeitig nach vorne drehen.
In dem Moment siegt die französische Vorsicht vor dem Drang der Streitsucht - wenigstens in den bisher von mir getesteten Fällen. Und um mein tolles Bild von den französischen Gastgebern nicht zu gefährden, werde ich mich ab jetzt brav an die StVO.fr halten - das zumindest ist mein guter Vorsatz. Bis zum nächsten Stinkfinger.



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