Nach 23 Tagen ...
- georgunbehaun
- Sep 26, 2021
- 2 min read

... weiß ich, dass Ballonfahren ein mystisches, ja, spirituelles Erlebnis sein kann. Einfach ein physikalisches Gesetz dazu anwenden, sich fast unkontrolliert von Wind und Thermik treiben zu lassen - zum Beispiel über Mallorca.
Los geht es meist recht unsympathisch: nämlich sehr früh und sehr laut. Denn die riesigen Stoffbehälter müssen mit Windmaschinen erst einmal vollgepustet werden. Und das macht einen Höllenlärm. Dann noch ein paar Mal mit dem Atem eines Drachen die Luft erhitzt, und so langsam stellt sich die riesige Blase senkrecht. Dann geht's ans Einsteigen bzw. Einklettern. Der Korb ist parzelliert, 2 bis 3 Personen kommen in eine der 4 Abteilungen, in der Mitte der Pilot.
Und dann: Leinen los. Man entschwebt ganz sanft und geräuschlos. Und steigt. Und steigt. Ab und zu faucht der Drache, und das mächtig laut und verdammt warm, so dass die hitzeempfindliche Elektroden-Mütze der Tanja dauernd Warntöne von sich gibt. Aber ansonsten schwebt man friedlich und erhaben über die Morgenlandschaft und erlebt das tägliche Schauspiel, wenn die Sonne langsam über den nebelverhangenen Obst- und Gemüsefeldern im Osten Mallorcas aufgeht.
Unter einem wachsen Oliven, Weinreben, Paprika und Melonen. Hunde bellen, weil sie das hochtönende Fauchgeräusch des Propangas-Feuers nicht ab können, und die kleinen Schafherden wissen nicht, in welche Richtung sie flüchten sollen.
Ein Zug am Lenkseil, und die große Blase dreht sich behutsam um die eigene Achse. Damit kann man bedingt einen Einfluss auf die Fahrtrichtung nehmen, aber ansonsten gehört man ganz und gar den Lüften. Man spürt keinen Wind - eigentlich logisch, man ist schließlich genauso schnell unterwegs wie er.
Und langsam, ganz langsam erwacht der Boden unter einem: Spielzeugautos auf kleinen grauen Bändern, Kühe drängen auf die Weide, der Nebel verschwindet langsam und gibt die kleinen Wälder frei.
Dann geht's nach einer Stunde schon wieder ans Landen. Dazu braucht es ein Feld, das nicht von Steinmauern umzäunt und möglichst abgeerntet ist. Zudem muss der Landeplatz frei von Strommasten, Bäumen, spitzen Gegenständen oder Gewässern sein. Und dann geht's runter und runter. Festhalten! Erster Aufsetzer, dann noch einer - dann hat einen die Erde wieder.
Und wenn Glioblastom und Corona es erlauben, werden wir dieses wunderschöne Erlebnis im November nochmals haben, dann über der feuerrot leuchtenden Sossusvlei-Wüste in Namibia. Genau seit heute morgen ist die Vorfreude gestartet :-)
Hier ist das Video.



wieder ein super tolles Erlebnis, dass du auch noch sehr anschaulich beschrieben hast! Danke und weiterhin eine schöne Zeit auf Mallorca 😍🍷🇪🇦