Nach 214 Tagen ...
- georgunbehaun
- Apr 5, 2022
- 2 min read

… nach der letzten Zollkontrolle, der letzten S-Bahnfahrt und der letzten akustischen Beschwerde unserer Stubentiger bei der Ankunft ist es angebracht, das große Abrechnen zu starten. Was waren sie eigentlich, unsere ‚magischen Momente‘?
Vor allem die ungeplanten, überraschenden Erlebnisse waren es, die für uns einen Moment lang die Zeit stillstehen ließen. Und der jeweilige Moment konnte lange anhalten - teilweise noch bis heute.

Ein erster magische Moment war die Illumination in den U-Boot-Nazi-Bunkeranlagen in Bordeaux. Alles finster, kalt, technisch, bedrückend - man konnte damals nach dem Krieg den Bau nicht sprengen, weil die Kollateralschäden zu groß gewesen wären. Plötzlich ertönt leise klassische Musik, der Boden und die Wände beginnen zu leben: mittels Projektionen aus der Motivwelt der französischen Impressionisten und Expressionisten. Alles schwebt und mutiert, in 360 Grad. Man wandert durch phantastische Landschaften und Farbwelten. Und das alles in der Höhle des Bösen. Es ist gerade der unfassliche Kontrast zwischen Brutalität und Filigranem, die einen so hypnotisch gefangen nimmt (hier das Video dazu).

Ein Naturerlebnis der überwältigenden Art war das unendliche Sternenzelt in der Wüste der Namib. Wir lagen in einem Camp, allein und weit ab vom Schuss. Unser Doppelbett hatte Rollen, damit man in einer Sternennacht wie dieser die Schlafstatt auf die Terrasse schieben konnte. Der Blick in den Himmel macht einen demütig und glücklich: ganze Galaxien funkeln um die Wette, Sternschnuppen rasen quer über den Himmel, im Hintergrund heulen Schakale um die Wette. Einfach unvergesslich.

Zurück in der Zivilisation, raubte uns der Blick vom Rockefeller Tower in New York den Atem. Es war kurz vor Silvester, wir stiegen abends aus der himmelwärtigen Liftfahrt aus - und unter uns pulsiert das faszinierendeNew York in all seinen Facetten. Man fliegt förmlich über einer bunten, glitzernden Miniaturwelt, hört Straßenlärm, um einen rum ein Wald von unterschiedlichsten Gebäudeformen, manche im Nebel, manche wild illuminiert. Es ist wie ein Einblick in einen abgeschlossenen Kosmos, dessen Herz nie aufhört zu schlagen, und doch schwebt man über allem. So schön können Stahl, Beton und Licht sein.

Natur wie von einem anderen Stern: In Island konnten wir mit großen Kinderaugen bestaunen, was Gott und seine Natur mit Wasser so alles zaubern können: gigantische Wasserfälle, die sich eine Zauberwelt aus Eis kreiert; Eisberge, die unwirklich blaugrün leuchten, weil das Eis so stark gepresst wurde und dann nur noch blaues Licht durchlässt - ein Kunstwerk, wie es Menschen nicht schaffen können; und Eishöhlen, die durch das Schmelzwasser des Gletschers plastisch unbegreifliche Röhrensysteme für die Dauer eines Winters modelliert werden - in türkis und leuchtend blau. Überwältigend. (hier das Video dazu).

Ich habe ja schon genug Abfälliges (im wahrsten Sinne des Wortes) über Bora Bora erzählt, aber ein privater Schiffsausflug in die Lagune ist dann doch ein Erlebnis, das man ein Leben lang nicht vergisst. smaragdfarben, tiefblau, hellblau, tiefgrün und schimmernd weiß. Dazu spielt der Himmel die Begleitmusik mit wilden Wolkenformationen. Das Ganze komplettieren Palmen und ein Hintergrund mit imposantem Bergmotiv. Like it or not: das ist auf diesem Planeten beispiellos. Und beispiellos schön. (hier das Video dazu).
Es hab natürlich noch viele andere kleine und große Erlebnisse, die uns begeisterten, erstaunten, belustigten oder einfach nur viel Spaß gemacht haben - aber es sind die magischen Momente, die wir als Lebensbereicherung in unseren Herzen tragen werden, bis zum letzten Tag.



We love you 😘
Schosch, du hast uns perfekt mitgenommen in die sehr schönen, die schönen und die beinahe schönen Fleckchen unserer Erde. Deine Reiseberichte habe nicht nur ich regelrecht verschlungen; das wurde mir von anderen Lesern bestätigt. Dafür verleihe ich dir den "Außergewöhnlichen Literatur-Nobelpreis 2022".
Und nicht selten wäre ich auch zu gerne an eurer Seite gewesen.
Eure Erfahrungen und Erlebnisse sind nicht nur bleibende Erinnerungen, sondern sie werden euch kräftig dabei unterstützen, dem aktuell offenbar nicht mehr vorhandenen Arschloch Tumor den Weg zur Rückkehr weiterhin zu versperren.
Ich bin sicher, dieser Typ hat die Flinte schon ins Korn geworfen. Vielleicht wird er sich suchen; und sollte er Reste jemals wieder finden, wird er feststellen: Komplett zerfressen von Killern; Funktion nie mehr herstellbar.