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Nach 202 Tagen ...

Updated: Mar 26, 2022


… ist die Zeit reif für ein wahres Märchen: Es war einmal ein kleiner Junge, der wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und hing am Rockzipfel seiner Mama. Im Laufe seines bewegten Lebens entwickelte er sich zu einem der größten Verbrecher der Neuzeit. Aber: um wen geht’s hier eigentlich?!


Schon früh identifizierte er sich mit dem Schicksal und der Größe seiner Nation. Als er seine ersten ernsthaften beruflichen Schritte unternahm, herrschte Krieg. Hier wollte er aus patriotischer Überzeugung ganz vorne mit dabei sein.


Doch etwas völlig Unerwartetes, ja Undenkbares trat ein: sein Land verlor den Krieg. Das traumatisierte und radikalisierte ihn. Er beschloss, in die Politik zu gehen, um seine Träume eines neu erstehenden Reiches zu verwirklichen - eines Reiches, das größer, mächtiger und furchteinflößender als je zuvor sein sollte.


Er war sich völlig im Klaren, wer Schuld an der Katastrophe hatte: innere und äußere Feinde, die seine Nation vernichten wollten. Um sich zu organisieren, gründete er eine Partei, die allein den Zweck hatte, ihn an die Spitze des Landes zu katapultieren.


Seine Heimat war damals sehr schwach, hatte immense wirtschaftlich Probleme und war politisch instabil. Man sehnte sich nach einer ‚harten Hand‘, einem wahren Führer.

Und so kam seine Zeit. Der Anfang war holprig, dann aber konnte er beim ersten innenpolitischen Zwischenfall zeigen, wie brutal er durchzugreifen in der Lage war. Und das Volk jubelte ihm zu. Die Rechtfertigung der elitären Sonderrolle seiner Nation in der Weltengemeinschaft wird dabei nicht religiös, sondern als schicksalshafte Konsequenz im Sinne einer sogenannten Vorhersehung begründet: mit ihm als auserwählten Vollstrecker geschichtlicher Zwangsläufigkeit.


Um seine Macht intern zu zementieren, tyrannisierte er seine inneren Widersacher und schreckte dabei auch vor Mord nicht zurück. Er stützte seine Macht im wesentlichen auf die drei Faktoren Partei, Armee und Geheimdienst.


Sein Verständnis einer starken Nation war geprägt von einer Überhöhung der schicksalshaften Rolle und genetischen Überlegenheit seines Volkes, das in eine politische, kulturelle und militärische Überlegenheit münden müsste. Er ‚kaufte‘ sich seine Volksgenossen, indem er Wohlstand auf Pump erzeugte und sie als Komplizen seiner auch rassistisch begründeten Führungsanmaßung gewann.


Er ließ sich in Sportstadien pompös im Sinne eines zügellosen Personenkults feiern und veranstaltete Olympische Spiele im Namen der friedlichen Völkerverständigung, um alle Welt zu täuschen und Zeit zu gewinnen.


Kurz danach begann er seine revanchistischen und expansiven Pläne konsequent umzusetzen, die er vorher immer wieder in Schrift, Ton und Video angedeutet hatte. Erste Opfer waren Nachbarländer mit nationalen Minderheiten seines Volkes, die angeblich unterdrückt und verfolgt würden. Er rüstete sie auf und schürte so Unruhen und Instabilität, die ihm wiederum als Anlass dienten, selbst zu intervenieren.


Das Ausland sah lange zu, ja, hatte mit so mancher Annexion sogar Verständnis aus geschichtlicher Perspektive. Diese Appeasement-Haltung motivierte ihn nur dazu, noch aggressiver und noch perfider vorzugehen. Langsam wachte die freie Welt auf und zog rote Linien.


Doch er kannte sein Leben lang kein Zurückweichen, keinen Kompromiss, er setzte immer auf bedingungslosen Sieg. Daher lief seine Maschine mit voller Kraft weiter und überschritt alle roten Linien.


Plötzlich wehrte sich die freie Welt, was ihn sehr überraschte. Doch er verfügte über keinen Plan B, deshalb rannte er weiter in sein Verderben und das seines Volkes, das sich vorwerfen lassen musste, ihn per demokratischer Wahl an die Machthebel gebracht zu haben.


Sein gigantischer Größenwahn trieb ihn schließlich fatalerweise dazu, ein sehr großes Land anzugreifen, das man mengenmäßig nicht besetzen konnte. Er und seine ihm ergebenen Adlaten von Armee und Geheimdienst bestärkten ihn noch in seiner manischen Selbstüberschätzung. So startete er seinen Überfall, der als Blitzkrieg geführt werden sollte, aber bald an Schwung verlor und damit nicht mehr zum Erfolg zu bringen war. Ab diesem fatalen Fehler war sein Ende vorgezeichnet.


Hier verschwimmen die Konturen, denn der eine Kandidat ist Geschichte, der andere ist Zeitgeschichte. Aber die Analogien werden weitergehen. Denn es ist nun wohl nur noch eine Frage, was die Niederlage kosten wird und wie er von der Macht gestürzt wird. Aber sein Scheitern steht heute schon fest.


Das lehrt uns die Geschichte.


Zum Glück.

 
 
 

1 Comment


d.r.wagner
Mar 24, 2022

Bedauerlicherweise sehr wahr!

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