Nach 204 Tagen ...
- georgunbehaun
- Mar 26, 2022
- 3 min read

… wird es mal Zeit, ein ernährungstechnisches Resumé zu ziehen. Aus Kostengründen bestanden unsere Mahlzeiten meist aus Garküchen oder dem Supermarkt, aber einige Gerichte haben sich dann doch unvergesslich in unser Langzeitgedächtnis geschraubt.
Plât de Fruits de Mer in Arcachon

Hier im äußersten Südwesten Frankreichs gibt’s Meeres-Geschnetz vom Feinsten: Langusten, Garnelen, Krabben, Hummer. Jakobsmuscheln, Schnecken und vor allem: die Austern, angeblich die besten des Landes. Alles roh und auf einem Bett aus Eiswürfeln serviert. Dazu fette Rouille-und Mayonnaise-Saußen und frisch gebackenes Weißbrot - zum Reinsetzen schön. Und vor allem: man wird nicht mal arm dabei.
Power-Lakritz-Taler aus Island

Ein Geschmackserlebnis der besonderen Art: So groß wie eine 5-DM-Münze, hat man am Anfang eine Salzkonzentration im Mundraum, der es locker mit dem Toten Meer aufnehmen kann. Dann mutiert die gummiartige Masse zu einem Lakritz-Hochkonzentrat, das schließlich in einem süßlichen glitschigen Lappen endet. Das braucht man, wenn man als Isländer bei Windstärke 10 auf dem Fischkutter an der Brintivin-Flasche saugt, um das Seehund-Gulasch zu verdauen.
Salzchips aus Bora Bora

Chips gehen irgendwie immer, vor allem, wenn sie ‚nature‘ sind, also nur mit Öl und Salz frittiert. Nicht so beim Super U in Vaitape, hier schwört man anscheinend auf eine eigene Rezeptur: Man nehme ein gebrauchtes Löschblatt, salze es, reiße es in kleine Stücke, schwenke das Ganze dann in ranzigem Maschinenöl und lässt es dann 6 Monate durchziehen - fertig ist die kleine Leckerei. Kann Darmkrämpfe, Alpträume und heftige Flatulenzen erzeugen.
Poisson Cru aus Mo‘orea

Feine Sache: Tunfisch oder Mahi Mahi, morgens aus dem Meer gezogen, kleingschnipselt, mit frischem Blattsalat, Gurken, Karotten sowie Vinaigrette ergänzt und abschließend mit Limettensaft beträufelt - das ist mega-gesund und günstig bei den Roulottes zu erwerben, den polynesischen Garküchen.
Captain‘ Candy in Südeuropa

Eine finstere Seemannsgestalt aus Hartplastik wie aus ‚Pirates of the Caribbean ‚ entsprungen, steht vor den Laden Wache. Drinnen gibt’s in großen Fässern kunterbunte Früchte, Lollys, Totenköpfe, Vampirgebisse, Colafläschchen, Mini-Haie, Quecksilber-Tropfen, Würmer und anderen Blödsinn … alles aus Schaumstoff, Zuckersirup und ähnlichem abartigem Zeugs, von dem es einem schon beim Anschauen mega-übel wird.
Als wir den ersten Laden in Dubrovnik entdeckt hatten, fanden wir es halbwegs originell - als wir auf solchen Quatsch dann aber auch in Zadar, Venedig, Mallorca und Südfrankreich trafen, hat es uns ein wenig gegruselt. Ich bin mir bis heute immer noch nicht sicher, ob die uns nicht mit ihren Läden verfolgt haben …
Cheeseburger aus New York

In dieser Stadt gibt es nichts, was es nicht gibt - vor allem, wenns ums Futtern geht. Und den besten Burger der Welt gibt’s im Court Square Diner im Stadtteil Queens. Beim ersten Biss kommt eine geschmacklich einzigartige Gemengelage aus top gegrilltem Burgerfleisch mit der Remoulade, den Zwiebeln, den Gurken und Tomaten plus dem Schmelzkäse im Gaumen zusammen: eine Symphonie der Sinne, die direkt in den Hüftspeck wandert. Aber: soooo lecker 😊.
Scharfe Flips von den Seychellen

Rot wie der Teufel: die Cheetos Crispies von den Seychellen sind für strapazierfähige Mägen gebaut. Die Maiswürste sind überzogen mit einer ultrascharfen Gewürzmischung, die als Riechsalz in der Lage wäre, Tote zu erwecken. Das Ganze brennt von der Einnahme bis zum Stuhlgang. Und die Finger haben danach farblich auch noch tagelang etwas davon.
Zebrafleisch aus Namibia

Eigentlich lautet ja bekanntlich die Standardaussage beim Verzehren von super-exotischen kulinarischen Kostbarkeiten: „Schmeckt irgendwie nach Huhn“. Das trifft auf gepökeltes Zebrafleisch nicht zu. Eher: „Erinnert mich ein wenig an alten Eber“. Ganz so schlimm ist es nicht, aber fast. Daher braucht man als Ausgleich eine Menge an Windhoek Premium Lager-Bier.
Austern aus Swakopmund

Vor 40 Jahren kamen ein paar findige Businessleute auf die glorreiche Idee, in der Bucht von Swakopmund Austernbänke anzulegen. Denn hier gibt es eine der weltweit höchsten Konzentration an Plankton. Das Ergebnis ist ein kulinarischer Traum: festes Fleisch mit der gesamten Geschmackspalette des Atlantiks - gerne auch mit Käse überbacken. Kurios: im Nachbarland Angola gibt’s Austern, die Handteller-groß werden. Das Fleisch ist dann so groß wie ein mächtiges Steak.
Internationale Küche zum Überleben


Manchmal war das Essen des Landes nicht sooooo lecker. Oder zu teuer. Oder beides. Gerettet haben uns dann meist irgendwelche asiatischen Schnellküchen oder italienische Pizza-Pasta-Anbieter. Und im Supermarkt gab‘s immer Oreo-Kekse und Haribo in länderspezifischen Versionen. All diese Köstlichkeiten werden wir wohl die nächste Zeit erst einmal nicht mehr futtern. Außer es ist Sonntag, der Kühlschrank-Inhalt macht einen nicht an und nur die Tanke hat offen.
Soll ja mal vorkommen ...



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