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Nach 190 Tagen ...


… fällt mir auf, dass ich beim letzten Blog vor lauter Freundlichkeit vergessen hatte, etwas Inhaltliches zu Tahiti als potenzielles Reiseparadies zu sagen. Lohnt es sich wirklich, ein halb mal um den Globus zu jetten - für eine Kitsch-Katalog-Kulisse mit Sonne, Palmen, Strand und Hula-hula? Schau mer mal.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass man hier extrem freundlich und zuvorkommend ist. Völlig unabhängig von der wunderschönen Umgebung fühlt man sich hier einfach schnell zu Hause und willkommen. Das ist prinzipiell an allen Orten unserer Reisen so gewesen, hier aber kommt es aus tiefstem Herzen, und das spürt man.


Folkloristisch ist anzumerken, dass die Männer bei ihren kriegerischen Tänzen an den polynesischen Armen und im polynesischen Schritt mit viel Palmenblättern verziert sind und die Darbietungen zu sofortigem Platzregen führen. Tatoos werden hier einfarbig und großflächig eingesetzt, ob bei Mann oder Frau.

Die Südsee-Damen tragen mittlerweile Kleidung - wahrscheinlich als Konvention gegenüber der zivilisierten Welt, was man nicht nur als Mann im besten Alter als einen bedauerlichen kulturellen Verlust bewerten muss.


Da somit bei den Polynesierinnen nicht soviel Erfahrung mit der textilen Verhüllung besteht, konnte sich ein Stoff monopolartig und Inselflächenmäßig durchsetzen: roter Hintergrund mit weißen Hibiskusblüten. Das tragen alle Frauen, wirklich alle. Meine Erklärung: entweder gab es hier mal einen genialen Einkäufer der Marke ‚Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein‘, der aufgrund der gigantischen Abnahme von mehreren Millionen Stoffkilometern einen anständigen Rabatt herausgeholt hat, oder: eine nicht mehr kontrollierbare Webmaschine webte und webte und webte … oder die Präsidentengattin läuft so rum.


Essenstechnisch gibt es Fisch oder Huhn oder Huhn oder Fisch - aber dafür alles frisch gefangen und zubereitet. Das Ganze immer entweder mit klebrigem Reis oder matschigen Pommes. Und wenn das irgendwann mal reicht, gibt‘s immer noch den Chinesen oder den Italiener um die Ecke.

Zum nachträglichen Durchspülen empfiehlt sich ein Hinano Tahiti, das inseleigene Bier, oder Pari Pari, ein polynesischer Rum, der mit seinen 55 Umrundungen für einen geschmeidigen Durchzug sorgt und sämtliche Keime abtötet, noch bevor sie überhaupt erst entstehen konnten.


Das Lebensgefühl hier entspricht dem ewigen Sommer, der hier stattfindet: eine extrem gelungene Mischung aus polynesischer Lebensfreude und französischenm Savoir Vivre..


Musik ist hier so eine Sache: tolles Getrommel mit wilden Drohgeschrei kommt gut, bei ihrem Alltags-Singsang stelle ich den Eingeborenen kein tolles Zeugnis aus mit der Feststellung, in Sachen Schlager könnten sie glatt Deutsche sein. Zum Glück ist der Text unverständlich, man ahnt aber instinktiv, worum‘s wohl geht.


Es geht aber auch anders: Auf einer Überfahrt mit der Fähre hat dann mal eine Gruppe befreundeter Insulaner ihre Instrumente ausgepackt und losgelegt mit echter Folkloremusik und wunderschönen Gesängen - das war eine echte Offenbarung.


Zu den einzelnen Inseln:


Die Hauptinsel Tahiti haben wir links liegen gelassen - war wohl auch gut so, denn Kenner bezeichnen die Hauptstadt Papeete als eine fantasielose Anhäufung von Betonwürfeln, ohne Charme und Stil. Der Rest der Insel soll so lala sein, da gibt es einfach schönere Orte ganz in der Nähe.


Das berühmte, vielbesungene Bora Bora hat eine unglaublich schöne Lagune, umrahmt von einer imposanten Bergkulisse - das war‘s, bitte weitergehen, es gibt hier ansonsten nichts zu sehen, außer schlampige Dörfer, Bauruinen, Müllhalden und ungepflegte Brachen. Wer in den Overwater-Bungalows am Atollrand logiert, hat es komod, wird aber gnadenlos geschrööpft. Sorry, eins habe ich an Positivem vergessen: Bloody Mary’s, die geilste Bar der Südsee.


Rai‘atea und Taha‘a sind zwei Schwesterinseln, umschlossen von einem gemeinsamen Atollring. Auf Rei‘atea gibt es eine tolle Vegetation und wildromantische Höhenzüge. Und sonst? Keine schönen Strände, dafür alte aufgeschichtete Steine, die man hier Heiligtümer nennt. Und es soll hier eine ganz tolle Blume geben, die es nur hier gibt und sonst nirgendwo. Schön. Zwei Tage reichen völlig - wir hatten derer sieben, aber viel Regen und viel Putin haben uns die Zeit gut vertrieben.

Taha‘a ist kleiner und irgendwie das Gleiche in grün (eine Redewendung, die hier ziemlich unpassend ist – schließlich ist hier alles grün), mit einer wunderschönen Ausnahme: eine intakte und vielfältige Unterwasserwelt. Wer schon immer Fischstäbchen in ihrem Originalzustand sehen wollte, wem schon immer klar war, dass Nemo und seine Freundin Dory wirklich existieren und wer aufgrund kindlicher medialer Indoktrination durch die Fernsehserie ‚Flipper’ Haie nicht in die Kuscheltier-Fraktion steckt - der kann hier schweben und staunen und schweben und staunen …


Aber das absolute Highlight Französisch Polynesiens - und die verfluchten 35 Stunden Anreise wert - ist eine andere Insel: Mo‘orea, die Perle der Perle der Südsee. Die schönsten Bergmassive, tiefe bewaldete Buchten wie bei James Bond oder der Meuterei auf der Bounty, wenige, aber sehr schöne Strände - und immer wieder die betörenden Farben der Lagune, der Wälder und des Himmels, die völlig unwirklich erscheinen, weil sie von überirdischer Schönheit sind.


Fazit: Würde ich hier gerne nochmals herkommen? Ja, ohne Zweifel, trotz der Reiserei. Aber nur, wenn sich ein Sponsor finden lässt. Braucht jemand einen erfahrenen Reiseführer? Ich bring auch meine Ukulele mit.


Mahu’uru!




 
 
 

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