Nach 177 Tagen ...
- georgunbehaun
- Feb 25, 2022
- 2 min read

… und in einer larmoyanten Stimmung - irgndwo zwischen hoher Luftfeuchtigkeit und hoher Lustlosigkeit - kann man sich mal wirklich existenzielle Fragen stellen, sollte man hier in die Erde bohren und dann mitten in Osteuropa rauskommen: Wie haben wir unser Glück, in Frieden und Freiheit zu leben, verdient? Und warum müssen die Ukrainer gerade so furchtbar leiden?
Ich vermute mal, es ist etwas einfacher, das Grauen in der Ukraine zu verfolgen, wenn es draußen eh grau und kalt ist, als wenn man täglich schwitzt und seine braungebrannten Füße im pazifischen Ozean schwenkt (sorry 😎).
Dank Internet sehen wir heute live in der Südsee, wie russische Raketen in Kiewer Wohnhäuser einschlagen, wie verängstigste Mütter mit ihren traumatisierten Kindern flüchten, wie ein zynischer Verbrecher im Kreml die Wahrheit und das Weltgewissen tötet. Es ist auch aus der maximalen irdischen Entfernung kaum auszuhalten, so ohnmächtig dem widerwärtigem Treiben zusehen zu müssen.
Wir selbst sind gesegnet, trotz schwerer Krankheit, trotz Unsicherheit, was uns die Zukunft bringt. Denn wir können uns gerade unseren kleinen Traum verwirklichen, wir haben keine wirtschaftlichen Sorgen, haben Verwandte und Freunde, die irgendwie immer bei uns sind - und müssen dabei nie Angst um unsere wirtschaftliche oder gar physische Existenz haben.
In Kiew, Charow oder Odessa ist das sowas von anders. Und hier, im urigen Baumhaus an den bewaldeten Höhen der polynesischen Insel Rai‘atea, mit 12 Stunden Zeitverschiebung, tut es auf eigenartige Weise besonders weh, nichts tun zu können. Was für eine grausame Entwicklung, wieviel Leid und Verderben ...
Wir hatten ja eigentlich vor, Mitte März im Russen-Vasallenstaat Kasachstan den Start der Sojus-Rakete mit einer neuen Crew zur internationalen Weltraumstation ISS beizuwohnen, aber dem neozaristischen Terror-Regime auch nur einen Eurocent zusätzlich zu in den gierigen Rachen zu werfen wäre aus unserer Sicht unerträglich - auch wenn das in der Konsequenz bedeutet, dass wir eine Menge Kohle, die wir bereits überwiesen haben, abschreiben müssen.
Mögen die bereits gesendeten Rubel von den Empfängern in der Sankt Petersburger Reiseagentur in Vodka umgesetzt werden, mit allen gesundheitlichen Begleiterscheinungen für die russische Leber - na dann: nastrovje!
Ab 6. März sind wir für eine Woche wieder mal in der Heimat, und vielleicht gibt’s da Demonstration in München gegen das verbrecherische Kreml-Pack an der Moskva.
Kommt jemand mit?



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