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Nach 153 Tagen ...



… muss man schon mal sagen: es müffelt ganz schön im Lande Island. Egal, wo man ist oder mit wem: es riecht streng - mal nach Schwefel, oder verfaultem Fisch, mal nach verbranntem Gummi, mal nach irgendwas. das hat meist mit Mutter Erde zu tun, die hier wohl ihre Toilette pflegt. Aber nicht immer sind es olfaktorisch grenzwertige Flatulenzen, die vom Erdgedärm herrühren. Es gibt auch handfeste irdische Erklärungen, weshalb einem das Mittag- oder Abendessen dufttechnisch wieder hochkommen kann. Man nennt es: Isländische Traditionsküche.


Generell ist der durchschnittliche Isländer nicht gerade ein Feinschmecker. Das beweist der ungemeine Erfolg von Fastfood-Fraß an fast jeder Straßenecke: Köstlichkeiten wie Hot Dog mit dänischen Trockenzwiebeln, fettige Hamburger (nur nicht von McDonalds - die haben Island aufgegeben) oder frittierter Abfall von Kentucky Fried Chicken stehen hoch im Kurs.


Das hat vielleicht mit der magenherausfordernden kulinarischen Vergangenheit und Gegenwart zu tun. Die richtigen isländischen Leckerbissen wie Seehund mit Kartoffeln und Griebenschmalz oder gegrillter Papageientaucher sind da noch harmlos. Hier drei Top-Rezepte zum familienfreundlichen Nachkochen:



Þorláksmessa: Gammelrochen


Die geschmackliche Katastrophe des Jahres kommt in Island am 23. Dezember auf den Tisch. Statt Duft von Zimt und Keksen erfüllt dort in der Adventszeit ein beißender Gestank die Luft. Denn unter den Isländern gilt der hochgiftige Rochen, der nur genießbar wird, wenn man ihn lange genug in einem Bottich verwesen lässt, als Weihnachts-Delikatesse.


Und so geht’s: Dem Fisch die warzige Haut abziehen und das Fleisch anschließend in Salzwasser weichkochen. Mit Schafsfett verrührt, servieren man die Spezialität dann an Weihnachten seinen Lieben.

Guten Appetit!



Svið: gefüllter Schafskopf

Hierbei handelt es sich um einen halben, abgesengten und gekochten Schafskopf. Svið gehört zu der Familie der Hängefleisch-Gerichte - eine Bezeichnung, die alle isländischen Spezialitäten mit geräuchertem Lammfleisch umfasst. Es gibt da also noch mehr zu entdecken!


Gerade unter der älteren isländischen Generation gelten die Augäpfel der Schafsköpfe als besondere Delikatesse. Der Schafskopf - zusammen mit den Augen und Zähnen - wird ausgiebig gekocht und dann auf einer Platte serviert.


Praktisch: Svið ist in den meisten Supermärkten als Tiefkühlware zum Kauf freigegeben und wird stets mit einem geschmacksneutralem Kartoffel-Rübenstampf serviert.


Bon Appétit!


Hákarl: Gammelhai

Hákarl ist fermentierter Grönlandhai. Er wird zunächst wochenlang vergraben oder darf in Kisten vor sich hin faulen. In dieser Zeit wird der Harnstoff im Haikörper abgebaut, wobei Ammoniak freigesetzt wird, da der Stinke-Hai keine Nieren hat. Erst dadurch wird das Fleisch überhaupt essbar im Sinne von: ungiftig.


Vor dem Verzehr wird die braune Kruste des Hais entfernt und das weiße Fleisch in kleinen Stücken mit Rúgbrauð (isländisches Roggenbrot) und dem Schnaps Brennivín serviert.

Entwickelt hat sich die geschmackliche Mutprobe aus der Tatsache, dass der Grönlandhai früher wegen seines Öls in der Leber gejagt wurde. Damit die Hai-Reste nach dem Abzapfen nicht so entsetzlich stinken, hat man das faulige Zeugs eingebuddelt. Und irgendein armer Irrer hat das mal ausgegraben, davon probiert und ist nicht sofort tot umgefallen.

Das lukullische Kleinod ist nur in Kombination mit dem scharfen Schnaps Brennivín - auch liebevoll schwarzer Tod genannt - zu ertragen; das eine geht nicht ohne das andere: Der Brennivín geht nur runter, wenn die Speiseröhre vorher ordentlich gefettet wurde, und nach dem Hai muss etwas richtig Scharfes her, das den Ammoniakgeschmack aus der Kehle brennt.


Wohl bekomm‘s!



PS: Das Titelbild ist unser Abfalleimer nach 5 Tagen Service-Abstinenz.

 
 
 

1 Comment


Michael Branham
Michael Branham
Feb 02, 2022

Love it super Schorsch, aber war wirklich interessant oder ? Und jetzt nach ?

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