Nach 151 Tagen ...
- georgunbehaun
- Jan 31, 2022
- 2 min read

… finden wir es ganz schön erstaunlich, was eine Handvoll Isländer so alles auf die Beine gestellt hat. Sieben von zehn Eingeborenen leben in oder um Reykjavik, der Rest verpixelt sich in den gigantischen Weiten und Höhen dieses Game-of-Thrones-Idylls.
Blubbernde Schlammlöcher, explodierende Geysire, riesige Eishöhlen, zu Eis erstarrte Wasserfälle und warme Thermen überall: Island ist ein gigantisches Naturschauspiel. Verständlich, dass hier die Mystik und der Aberglaube Hochkonjunktur haben - im Land der Elfen, Trolle und Feen.
Mit denen ist nicht zu spaßen. Denn wenn die mal so richtig sauer sind, können schnell merkwürdige Unfälle passieren oder ein Vulkan ausbrechen. Dafür gibt es aber zum Glück zertifizierte Feen-und Trollinger-Experten, die einem dann weiterhelfen können.
(Anmerkung der Redaktion: Das mit dem Trollinger war übrigens kein Freudscher Tippfehler, denn ich erachte die durchsichtige Schwaben-Plörre durchaus als geschmackstechnischen Unfall. Vielleicht sind in grauer Vorzeit mal ein paar Ländle-Kehrwochen-Fetischisten den armen Troll-Fabelwesen mächtig auf den Sack gegangen und wurden dann kulinarisch schwer bestraft- was ich durchaus nachvollziehen könnte.)
Alles nur Spaß, wie beim bayerischen Wolpertinger, ein ausgestopftes Fabelwesen mit Hasenkopf, Geweih und Flügeln? Mitnichten: Mehr als die Hälfte der Isländer glauben an die Existenz unsichtbarer Elfen oder sind sich zumindest nicht ganz sicher, dass es Mumpitz ist.
Die Natur? Ist hier nicht normal, sondern immer überdreht: Flüsse schimmern tiefblau, breite Wasserfälle formen gigantische Landschaftskulissen, schneebedeckte Berge wirken entrückt und zugleich zum Greifen nah, treibendes Gletschereis schimmert grünblau - und der Himmel explodiert in allen Farben und Formen. Einfach überwältigend, faszinierend. Und das Wetter kann in wenigen Minuten vom windumtosten Graupelschauer zum blauen Himmel mutieren.
Isländisch als Sprache? Völlig unverständlich und zudem sinnfrei, jedes Wort ist im Schnitt doppelt so lang wie sein deutsches Pendant, viele Buchstaben haben willkürliche Accessoires wir Kringel auf dem Kopf oder Querstriche, die mal nach oben, mal nach unten zeigen. Das a und das e haben unter Missachtung des Mindestabstands eine Kopulation vollzogen, mit dem Ergebnis: æ… Kurz und schlecht: eine völlige Zeitverschwendung, die überflüssige Sprache für gerade mal 356.000 Einwohner.
So eine geringe Bevölkerungszahl - Bochum hat fast genauso viele Einwohner, dafür aber keinen einzigen aktiven Vulkan - hat natürlich auch seine Vorteile: man kann recht einfach Landesmeister in einer Nischensportart werden, zum Beispiel im Curling, Pressball oder Einrad-Hockey (gibt‘s wirklich!).
Oder man kann mal schnell zwei Banken in windige Spekulationsobjekte umwandeln und sie dann in der Bankenkrise absaufen lassen. Jeder Isländer - sind ja nicht so viele - ist seitdem statisch hoch verschuldet. Dafür sind sie aber recht richtig gut drauf und machen am Wochenende in der Hauptstadt einen Heidenlärm bis um fünf Uhr morgens - ich kann das bezeugen.
Architektonisch stechen die Isländer nicht gerade durch filigrane Verspieltheiten hervor. Ihre Häuser ähneln verblüffend stark den ersten Malereien meiner Tochter, als sie so vier Jahre alt war: Dach, Wände, Fenster, eine Tür - fertig! Weniger fantasievoll, eher rechteckig.
Was gibt es sonst noch zu berichten? In Reykjavik gibt es ein Penismuseum, das weltweit größte seiner Art. Line war sehr beeindruckt und hat viel gelernt.



Herrlich geschrieben 👍👍. Ich freue mich über jeden Eurer Posts. 🙃🙃
Bitte noch ganz viel davon !