Nach 140 Tagen ...
- georgunbehaun
- Jan 20, 2022
- 2 min read

… wird es Zeit, eine Bilanz zu ziehen über Hawai‘i. Und die hat viel Licht und ein wenig Schatten. Auf jeden Fall ist's ein wunderschöner Fleck Erde, den man ruhig auch zweimal besuchen kann - wenn man eine vermögende und kränkelnde Erbtante hat.
Wir haben nun die drei größten Inseln gesehen: Big Island, das eigentlich Hawai‘i heißt, Maui und O‘ahu. Und jede ist völlig anders, das wird bei den restlichen Eilanden sicher auch so sein. Und die sind mit Sicherheit auch einen Besuch wert.
Die Natur ist einfach phantastisch und vielseitig: Man kann an einem Tag die Sonne auf einem 4.000 Meter hohen Vulkan bestaunen, dann einen Dschungel auf einer gut ausgebauten Straße bewundern, danach am gelbweißen Strand den geisteskranken Surfern beim Herausfordern der physikalischen Gesetze zusehen und zum Abschluss einen traumhaften Sonnenuntergang genießen.
Man profitiert immer wieder vom American Way of Life: Highways mit bis zu sieben (!) Spuren in eine Richtung, alles eher easy going, keine Etikette, Schlappen den ganzen Tag an, jeder ist nett und sagt Aloha ( oder genauer: Ah-low-hah, im englischen Slang).
Super-amerikanisch ist vor allem O‘ahu im Allgemeinen und Honolulu im Besonderen: abgeliebte Hotel-Hochhäuser, breite Avenues, Kingsize-Megastores, Takeaway-Imbissbuden an jeder Ecke. Aber es ist einfach cool, im Ala Moana Beach Park bei Sonnenuntergang sein asiatisches Abendessen aus dem Pappbecher zu futtern und dabei die glitzernder Skyline zu betrachten.
Und hier mal wieder ein Loblied auf die Amis: sie wissen zwar nicht, dass Adolf Hitler seit einiger Zeit nicht mehr Bundeskanzler ist und haben mal einen dummdreisten Narzissten zu ihrem Häuptling gewählt, aber sie sind die nettesten und angenehmsten Zeitgenossen, die man sich wünschen kann: unaufdringlich, interessiert, hilfsbereit.
Wir hatten eine Reifenpanne, sofort bot man Hilfe an. Wir konnten einen Park nicht besuchen, weil unsere Credit Cards abgelehnt wurden, da kam gleich eine Dame und hat uns mit ihrer Karte ausgeholfen. Und als Teilnehmer im Straßenverkehr kann man sich keine rücksichtsvolleren Fahrer vorstellen - außer sie kommen aus New York.
Wo sie echte Haderlumpen sind: wenn‘s um die Kohle geht. Sicher könnte man auf der Zugspitze an einem heißen Tag 5 Euronen fürs Weißbier verlangen, tut man aber nicht - im Ami-Land würde es dann 10 Dollar kosten. Eintritt in einen beliebten Beach Park? Kein Problem: jeder Strandbesucher 25 Dollar. Ein polynesisches Dorf ansehen? Klar: 70 Ocken each. Auf das Memorial in Pearl Harbor schippern? Sure: 60 Bucks von jedem.
Und so haben wir uns auch einen Luau-Abend mit viel Hula-Quatsch verkniffen. In dieser Hinsicht haben die Yankees einfach einen an der Waffel. Anders übel: auch hier gibt es hier und da Zeltlager in der Stadt oder am Strand, in denen Leute hausen, die durchs Raster gefallen sind - ohne jede hygienische oder finanzielle Unterstützung.
Ausgeglichen wird das teilweise auf den Inseln mit viel ‚Aloha‘, das hier auch für einen Lebensstil steht: gelassen, friedlich, respektvoll, tolerant. Da erklärt der Polizist freundlich, warum man hier oder da mit dem Wagen nicht stehen darf, ohne einen zu erschießen, da lässt der Parkwächter einen auch ohne verpflichtende Reservierung ein … doch, mit Aloha lässt sich einfach gut leben.
In diesem Sinne: am Hotelpool liegend, sanft akustisch umspült von etwas verspätet weihnachtlicher Musik, wünsche ich uns und Euch allen ein kräftiges ‚Aloha‘!



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