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Nach 127 Tagen …


… gibt es etwas ganz Tolles zu feiern: das Klischee. Es lebt. Und das ist gut so. Es macht die Welt einfacher und erklärbarer, schockt so manchen Mitmenschen und sorgt für jede Menge Gesprächstoff: Italiener klauen immer, Tanzen ist etwas für Schwule und Frauen haben keinen Orientierungssinn. Anderes Beispiel: Hawai’i.


Schon faszinierend, wie wenig Zutaten der gemeine Mitteleuropäer braucht, um so etwas wie Glück zu empfinden: Palmen, Strand, Wasser, das reicht schon. Wir sind recht einfach gestrickt und werden ferngesteuert durch allerlei Lust-Reflexe. Das machen Werbung und Anmache am Abend in der Strandbar recht simpel: man bediene einfach ein paar Stereotypen. Und dafür ist Hawaii nahezu perfekt!!!


Denn hier stimmen alle Klischees, die man bei uns durch Filme und Serien sammeln kann, wirklich alle: Jeder Jugendliche surft, die Essensportionen sind zu groß, das Obst schmeckt nach einem Hauch von Nichts, die Amis sind sowas von ungebildet und schlafen beim Autofahren ein, sind aber auch unglaublich hilfsbereit.


Zu den Eingeborenen: Polinesierinnen haben einen kugelrunden Kopf, Riesenbrüste und einen dicken Hintern. Die Insel-Sprache ist eine Anhäufung von ganz vielen A‘s, manchmal ein U und recht wenigen Konsonanten. Und der rechteckige Triggerfisch heißt Humuhumunukunukuāpua‘a.


Und überhaupt: Die Musik: Alte polynesische Männer tragen lächerliche Hawai’i-Hemden über ihren mächtigen Bäuchen und singen furchterregendes Tremolo, das zuweilen eher nach einer ernsthaften Magenverstimmung klingt.


Noch ein Klischee über polynesische Frauen? In der ehemaligen Hauptstadt Lahaina gab es eine Missionsstation, die militärisch befestigt war. Denn die Missionare hatten sich den Zorn der Seeleute zugezogen und mussten sich jetzt verteidigen. Der Anlass: Die Missionare hatten den jungen polynesischen Frauen verboten, dass sie weiterhin nackt zu den Schiffen schwimmen …


Hier in Lahaina würde es einen nicht wundern, wenn plötzlich Elvis Presley um die Ecke käme, mit seinem schmachtenden eintrainierten Dackelblick, Blumenkranz um den Hals und auf einer Ukulele spielend - der King lebt.


Ich sitze in einem Mini-Hochhaus im Westen von Maui auf dem Balkon im 10. Stockwerk um 4:27 morgens, höre die Wellen an den Strand branden und sehe den Sternenhimmel über mir - ist das geil?! Ich bin hellwach nach einer Zeitverschiebung um satte elf Stunden, einen Bacardi Cola neben mir, 20 Grad Außentemperatur und 120 % Adrenalinausstoß.


Noch ein Klischee? Jeden Abend gibt es einen Sonnenuntergang, wie er früher an der Wand von verpickelten Pupertierenden hing: von gelb, rosa über feuerrot bis lila ist alles dabei. Was nicht stimmt: dass es auf Hawai‘i kein Bier gibt - hier gibt’s sogar echtes Tsingtao aus China, von bayerischen Auswanderern gebraut.


Hawai‘i macht einfach Laune.



 
 
 

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