top of page
Search

Betrifft: Österreicher


„Da Waahnsinn. Do legst di nieda. So a Heeetz. Gä heast, des is Leiwand!“ Das sind typische rurale Sprachlaute unserer südöstlichen Nachbarn. Putzig, fast wie Deutsche, nur irgendwie gemütlicher. Von wegen. Die Ösis haben einen an der Klatsche. In der Hinsicht könnten‘s fast schon wieder Deutsche sein. Aber nur fast.


In Bad Ischgl feiern sie Champagner-Spritzpartys für 6.000 Euro mit 50 Flaschen für 15 Minuten. Die ehemalige Außenministerin Karin Kneissl lädt den Massenmörder Putin zu ihrer Hochzeit ein, der Kinder-Kanzler Kurz saugt die Presse durch Schmiergelder aus, der Zahntechniker und FPÖ-Held H. C. Strache verkauft auf Ibiza die Republik an eine gefakete russische Oligarchin und der korrupte Wunder-Wuzzi René Benko legt eine der umfangreichsten Insolvenzen hin. Tu, felix Austria?


Aber es kann noch schlimmer kommen. Denn die Ibiza-Partei FPÖ ist im steilen Aufwind. Und bald sind Nationalratswahlen. Dann könnten wir alle es mit einem der abstoßendsten Exemplare der menschlichen Existenzen zu tun bekommen: ein Homo sapiens mit der wissenschaftlichen Bezeichnung: Herbert Kickl. Und dann viel Spaß. Dagegen ist Björn Höcke ein gemäßigter Konservativer mit Kuschelrock-CD-Sammlung. Na servas.

  

Als Südostdeutscher fühle ich eine enge Seelenverwandtschaft zu unseren wunderlichen alpinen Nachbarn, oft mehr als zu meinen Landsgenossen nördlich des Weißwurst-Äquators - des Mains. Und gerade deshalb stößt es mir immer wieder übel auf, wenn die Austrianer wieder mal zeigen, wie wenig sie aus ihrer unrühmlichen jüngsten Geschichte gelernt haben.


Wir Teutonen haben bis zu den 68ern gebraucht, aber dann haben wir versucht, das Thema Vergangenheitsbewältigung mit deutscher Gründlichkeit anzugehen. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Gerade die Diskussionen rund um das braune Gewöll der AfD zeigt, dass der Begriff Anständigkeit noch eine Bedeutung hat.


Anders bei den Rot-weiß-Roten der zweiten Republik. Da hat man allzu lange die Mär gepflegt, man sei schließlich einer der ersten Opfer der Nazi-Piefkes gewesen. Geile Story. Dabei ist der bekannteste Österreicher ein Deutscher - Johann Amadeus Mozart aus dem damalig deutschen Salzburg - und der bekannteste Deutsche ein Österreicher: Adolf Hitler aus Braunau am Inn.


Ich mag sie trotzdem, die charmösen Alpler - schon allein wegen meiner Leibspeise: dem Backhendl. Auch sonst sind die Ösis lustig, fleißig, menschlich, manchmal allzu menschlich. Aber gerade das macht sie aus. Richtig klasse finde ich ihre Einstellung zu Tod und Verderbnis - da lacht der Wiener nur drüber. Deutsche sagen: „Die Situation ist ernst, aber nicht hoffnungslos.“ Österreicher sagen: „Die Situation ist hoffnungslos.“


Aber nicht ernst.


 
 
 

Comments


Designed by SCHOSCHWORX 2023

bottom of page