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Betrifft: Zähne




Ich find Zähne toll. Weiße Stifte, die den Kiefer vom Restkopf und Kronkorken vom Flaschenhals trennen. Sie können beißen, mahlen, klappern und sogar knirschen. Dummerweise können sie auch vergilben, löchrig werden, faulen oder sogar ausfallen. Und währenddessen megamäßig weh tun. Wenn ich’s mir so überlege: so toll finde ich sie dann doch wieder nicht.


Meine ganz persönliche Zahngeschichte ist eine Abfolge von schmerzhaften Erlebnissen, vorläufig mit Happy End. Als zahnendes Kleinkind lockte man mich mit lecker Nachtisch, wenn ich den streng riechenden Onkel mit dem Foltergerät nicht in seine Pfoten beißen würde. Ein Vergnügen war es in der Rückschau-Betrachtung eher weniger.


Da ich mit 16 Lenzen schon allein lebte, konnte ich auch selbst bestimmen, wann ich zu den weißgewandeten Folterern freiwillig ging: niemals. Das hatte sich recht ungünstig auf meine Mundflora ausgewirkt, mit entsprechenden kariösen Folgewirkungen. Dummerweise hatte ich es verpasst, vor meiner Bundeswehrzeit die Beißer nochmal richten zu lassen.


Als ich dann meinen Dienst am Volke antrat, waren wir Grünmännchen zwangsversichert beim Papa Staat, und die Bundeswehr stellte auch die Zahnärzte. Damals war der dentale Doktorhut eine Lizenz zum Gelddrucken. Aber natürlich nicht für soldatische Standort-Bohrer.


Dummerweise war ich in einer meiner seltenen Wacheinteilungen Zeuge, wie meine Leidensgenossen mit dicken Backen in den Sanitätsbereich hinein taumelten leichenblass und und blutverschmiert wieder heraus schwankten. Was meinen Entschluss festigte, die Zahnreparaturen nochmals aufzuschieben. Mit fatalen Folgen und Folgekosten. Die pure Qual.


Zähne spielen für den Menschen eine außerordentlich wichtige Rolle, das spiegelt sich in unserer Alltagssprache wider: Politische Luschen sind zahnlose Tiger, furchteinflößende Gegner sind bis an die Zähne bewaffnet, Power-Typen legen einen Zahn zu und abgeschlaffte Dauerläufer kommen auf dem Zahnfleisch daher.


Auch für mich, und zwar eine unheilvolle. Bis ich meinen beißtechnischen Erlöser fand. Statt den Mundhöhlen-Schrott zu verkleistern, rückte er meine Kauleiste mit handwerklichem Geschick zu Leibe. Seitdem habe ich Ruhe in Sachen Zahnarzt - seit vielen Jahren schon.


Für mich super, für ihn suboptimal, denn seine außergewöhnliche Qualitätsarbeit macht ihn in meiner Angelegenheit arbeitslos. Und trotzdem besuche ich ihn gerne vor Jahresende und übergebe ihm einen Geschenkekorb.


Er hat es sich verdient.

 
 
 

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