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Betrifft: Zivilcourage


Was macht man, wenn ein betrunkener Vollpfosten in der S-Bahn ein junges Mädel übel anmacht? Oder wenn ein Kumpel am Stammtisch eine grenzwertige Schote loslässt über Randgruppen? Tut man so, als ob man nichts gehört hätte? Oder haut auf den Tisch? Darauf die klassische Unternehmensberater-Antwort: Es kommt darauf an. Tut es das wirklich? Nein, tut es nicht.


Nie war Zivilcourage so wichtig wie heute. Wenn ich davon lese, dass Polizisten und Sanitäter im Einsatz von pöbelnden Egoisten angegriffen werden, dann geht mir das Messer in der Hose auf. Wo sind wir denn? In Haiti? In Somalia? Haben wir vor gar nichts mehr Respekt? Kann ja wohl nicht wahr sein.


Es braucht eben Männer und Frauen, die für ihre Überzeugungen einstehen, auch wenn es mal so richtig unangenehm wird. Aber warum ist das so schwer? Wenn ich als Youngster vor 50 Jahren in der Trambahn auf einem Sitz lümmelte und ein rüstiger militanter Rentner stieg ein, dann gab‘s oft einen lauten verbalen Anschiss und Drohgebärden mit der hölzernen Gehhilfe, ich solle sofort aufstehen, aber ein wenig plötzlich - auch wenn andere Sitze in der Tram noch frei waren. Der hatte keine Probleme mit dem Thema Zivilcourage.


War das nun besser als heute? Na ja, das war eben anders schlecht, aber es existierten noch so ein paar Dinge, die nicht hinterfragt wurden, beispielsweise der Respekt vor den Alten, den Behinderten und den Uniformträgern. Die waren schließlich für einen da. Das alles droht heute zu zerfließen wie der Brie-Käse auf der Heizung.


Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so etwas sagen würde, aber ich glaube, wir müssen wieder autoritärer werden. Und bestimmter. Und verbindlicher. Und mutiger. Es sollte eigentlich nicht so schwer sein, für seine Ansichten oder Überzeugungen aufzustehen und den dreisten Maulhelden nicht den Platz überlassen.


Wir brauchen wieder eine konstruktive Streitkultur, den Kampf um die beste Idee, die beste Lösung. Und wenn wir sie dann im Diskurs gefunden haben, dann gilt die - wie der Händedruck auf dem bayerischen Viehmarkt. Das heißt eben auch, für seine Meinung uneingeschränkt zu kämpfen. Und wenn in naher Zukunft einer sich aufmandelt und andere nervt oder beleidigt, dann werde ich aufstehen und ihm mit meiner virtuellen Gehhilfe den Marsch blasen.


Versprochen.

 
 
 

1 Comment


carinebeirnaert
Jun 01, 2024

Totaal herkenbaar! Ik zwaai solidair met Nieuwe Autoriteit en Geweldloos Verzet 💃

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