Betrifft: Winter-WM
- georgunbehaun
- Sep 17, 2022
- 2 min read
Updated: Sep 25, 2022

Frage: War schon jemand vor mir da? Nein, sicher nicht? Sehr schön, dann bin ich wohl der Erste, der über das diesjährige Wüsten-Fußballfest mal so richtig ablästern kann. Weltmeisterschaft kurz vor dem Fest der Liebe? Da lungert die Satire sozusagen schon auf dem Fußabstreifer. Also: Solltet Ihr in Zukunft Scherze aus diesem Blogbeitrag in anderen Texten finden, dann bitte melden - die werden dann bis in die Steinzeit verklagt. Fertig? Dann pack‘ ma‘s an.
Advent hat dieses Jahr eine völlig neue Bedeutung: advenit impulsum - möge der Anstoß kommen. Denn weil im Sommer in Qatar das Leder schmilzt, lädt der Brutalo-Scheich zum Anstoß bei Zimtstangen und Jagertee.
Das Endspiel war erst für den 23.12. geplant, aber wahrscheinlich wurde befürchtet, dass dann vielleicht der eine oder andere Fan mit seinem Restsuff die Weihnachtpredigt vergöbelt und anschließend in den Christbaum mit den echten Kerzen torkelt. Und deshalb ist Big Party nun eine Woche vorher. Meiner Ansicht nach war das eine glatte Fehlentscheidung. Man hätte - ganz im Gegenteil - das Finale auf den Heiligabend legen sollen. Das wäre ein Fest geworden!
Völlig neue Fangesänge würden kreiert: „Macht dicht das Tor, den Sturm macht breit, das 2:0 ist nicht mehr weit“ oder „oh du fröhliche oh du selige Tore bringende Meisterschaft“ oder „Fröhliche Weihnacht, Hansi Flick, wenn Du kommst, dann bring den Topf gleich mit.“ Und so weiter und so weiter.
Die klassische Nordmann-Tanne darf im Wald bleiben, Palmen schmücken jetzt das festliche Wohnzimmer, verziert mit kleinen Öl-Lämpchen, mit 32 glitzernden Kugeln für jede Mannschaft, handbemalt mit den jeweiligen Flaggen der Länder. Und wenn man an einem kleinen Bändchen zieht, ertönt die Nationalhymne als Glockenspiel. Und an der Palmenspitze steht das Heilige Infantino und breitet seine segnenden Flügel über die andächtige Fangemeinde aus.
Die Weihnachtsgeschichte bekommt nach über zweitausend Jahren endlich mal eine völlig neue Handlung: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Infantino ausging, dass alle Welt sich im Balltreten messen würde. Da machte sich auf auch Hansi aus Deutschland, aus der Stadt Bammental, in das arabische Land zur Stadt Tamim bin Hamad Al Thani, die da heißt Katar, damit er sich messen ließe mit der Mannschaft, seinem vertrauten Team; das war fit.
Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gewinnen sollten. Und sie gewannen ihren vierten Titel und wickelten ihn in Windeln und legten ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Vitrine. Und es waren Fans in derselben Gegend in dem Stadion, die hüteten des Nachts ihre Betten.
Und der Bundespräsident trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und Hans-Walter sprach zu ihnen: "Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Weltmeister-Pokal verliehen worden, welcher ist der FIFA-WM-Pokal, in der Stadt des Scheichs, von Infantinos Gnaden.“
Als sie ihn aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Pokal gesagt war. Und alle, vor die er kam, wunderten sich über das, was ihnen die Fans gesagt hatten. Und hoch droben im Fußball-Himmel weilt der Heilige Blatter Sepp auf einem Thron aus gestapelten Goldbarren und ruft freudig beseelt: „Es ist vollbracht!“
Wenn das mal keine schöne Bescherung ist.
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