Betrifft: Weihnachtsmärkte
- georgunbehaun
- Dec 10, 2022
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Die kleinen Lichtlein an den Tannenspitzen funkeln, weihnachtliche Klänge bringen kindliche Erinnerungen zum Schwingen, die Luft ist gewürzt mit Düften aus Zimt, Glühwein und gerösteten Maronen: es ist wieder Zeit für die Weihnachtsmärkte. Mein Magen ist vor Vorfreude jetzt schon sowas von sauer.
Es ist noch nicht so richtig Winter, nur schon verdammt früh dunkel. Schlecht gelaunte Mitbürger tragen unförmige Klamotten und alberne Mützen in öden Farben. Schnee gibt’s nur als Watte auf den hölzernen Verkaufsständen, die wertlosen Krempel verscherbeln, der fast komplett aus China kommt. Und pummelig-dumpfe Menschenmassen drängeln sich am rustikalen Currywurst-Stand, um endlich den pappigen Geschmack loszuwerden.
Warum tun wir uns das an? Warum begeben wir uns freiwillig auf nervige Parkplatz-Suche, laufen durch matschige Wege, um dann rumzustehen, klebriges Zeug zu schlürfen und zu mampfen, um dann zu schwören, dass das der letzte Markt war, wenigstens für dieses Jahr? Weil‘s warm ums Herz macht.
Man trifft Freunde, ergötzt sich an den vielen bunten Farben und Figürchen und denkt dann zurück an eine Zeit, in denen der Winter noch Winter war, mit echtem Schnee und Eiszapfen aus gefrorenem Wasser. Die Musikkapellen waren noch live, ganz ohne Playback. Und die zum Kauf angebotenen Basteleien haben flinke einheimische Finger in langen Winternächten gezaubert.
Doch unser Verstand verarscht unsere Gefühlswelt nach Strich und Faden. Denn damals war nicht alles besser, weiß Gott nicht: Die Füße steckten in undichten Stiefeln, in denen die feuchten, müffelnden Baumwollsocken moderten, der damals noch real existierende Schnee ließ die Hände blau anfrieren, die sinnfreien Gestecke in den Verkaufsbuden waren noch hässlicher als heute, die Luft stank nach Autoabgasen und der Schnee verfärbte sich grün-bräunlich dank der verheizten Braunkohle.
Der Glühwein kam damals in riesigen Sattelzügen über die Alpen als italienischer Restalkohol von den übelsten Fuseln des Landes. Dann massig Zucker dazu, altes Kraut rein zur Geschmacksübertünchung, den ganzen Abfall erhitzt, und fertig war die gesundheitliche Attacke auf Hirn und Gedärm.
Man kann alles schlecht reden. Muss man aber nicht. Schließlich macht miese Stimmung auch sauren Magen. Und so schließe ich hier mal positiv: Weihnachtsmärkte verzaubern für wenige Tage unsere drögen Innenstädte, jawoll.
Sonst geprägt von einheitlichen Drogeriemärkten, Brillenläden und Telekom-Shops, verwandeln sich unsere immer weniger belebten Fußgängerzonen in ländlich anmutende festliche Weihnachtsdörfer mit viel Nahrung für unsere hungrigen Mägen, unsere durstigen Kehlen und unsere schmachtenden Herzen. Es weihnachtet sehr. Und das Beste: am 23.12. ist der ganze gezuckerte Spuk vorüber.
Und wieder Friede auf Erden.



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