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Betrifft: Supermärkte


Eine der schönsten Fragen, die ich immer und immer wieder zu hören bekomme, ist: „Sammeln Sie Herzen?“ Die feine Poesie hinter dieser Frage erschließt sich dem empathischen Leser im Flug. Gestellt wird sie jedoch meist von eingeschränkt begehrenswerten Damen an der Supermarkt-Kasse. Was den Zauber recht drastisch einschränkt. Oh mann.


„Haben Sie die Deutschlandkarte?“ „Sammeln Sie PayPal-Punkte?“ Nein, nein. Und nein, die Lidl-Karte besitze ich auch nicht. Mir ist aufgrund meines ignoranten Verhaltens wahrscheinlich schon ein ansehnlicher Mittelklasse-Wagen durch die Lappen gangen. Aber das ist es mir wert. Denn das Leben ist zu kurz für einsammeln, aufkleben, und das 145.732mal.


Will ich wissen, wie der Schmelzkäse produziert wird, warum Edeka Lebensmittel liebt oder der Rewe seinen Carbon Footprint senkt? Ehrlich gesagt: nein. Deshalb lese ich auch keine Lebensmittelketten-Magazine, basta.


Was ich wirklich will: Tomaten, die nicht nur aussehen wie Tomaten, sondern auch nach Tomaten schmecken, Erdbeeren, die nicht nach zwei Tagen faulig werden und Lebensmittel, die nicht laufend in kleineren Füllmengen und zugleich zu höheren Kosten angeboten werden. Verarschen kann ich mich selber.


Eigentlich liebe ich Supermärkte. Ich gehe im Ausland nicht erst in Kirchen oder Museen, sondern zu SuperU, Carrefour oder EuroSpar, um Land und Leute auf kulinarische Weise kennen zu lernen. Schon spannend, wie eine Maggie Tütensuppe in Vietnam schmeckt oder die Rambutan-Früchte in Indonesien. Das waren dann meine Trophäen, die ich als ess- und vor allem trinkbare Souvenirs nach Hause schleppte.


Ganz besonders spannend ist Asien: man kann zwar erahnen, was drin ist, aber: wie sieht Hund aus, wenn er hübsch zubereitet ist? Vielleicht genauso wie auf dieser Instant-Packung? Sowas kann echt kritisch sein, wie Nestlé mal erleben musste. Die Schweizer Umweltschänder wollten mit Milchpulver den afrikanischen Markt erobern, mit einem lustig glucksenden Babykopf als Eyecatcher auf der Packung. Nachdem der Umsatz bei nahe null blieb, fanden die Alpen-Öhis heraus, dass in Afrika auf Packungen immer das abgebildet ist, was drin ist ...


So schlendere ich stets gerne durch die ausländischen Regale und lerne eine Menge über Land und Leute. Aber mit der Globalisierung geht der Jagd-Instinkt nun langsam zu Ende, mit Amazon wird er jämmerlich sterben. Denn heute bekommt man alles überall. Selbst beim Aldi kriegt man thailändische Oystersauce, Tiroler Schinkenspeck und japanischen Gin. Schluss mit Exotik, das Zeugs steht gleich hinter den eingelegten Oliven und den Haribo-Tüten.


Irgendwie traurig.



 
 
 

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