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Betrifft: Sucht


Seit es den Menschen gibt, gibt es auch die Sucht: ob man es nun schluckt, raucht, spritzt oder schnieft. Das Leben ein wenig rosafarbener, spannender, lustiger zu erleben: dafür gehen viele Menschen sehr weit. Und es gibt Suchtstoffe, die schon nach dem ersten Mal komplett abhängig machen. Das kann zu schweren Folgeschäden führen. Ja, genau, ich meine: die Leberkäs-Semmel.


Vorteil: Der unbezwingbare Drang nach gebackener Brühwurst tritt in meinem Fall nur sehr sporadisch auf, dann aber heftig. Alles fing in den Schulpausen an und setzte sich beim Bund fort: In der Nato-Pause um 9:15 Uhr musste eine Portion Leberkäs her, sonst hätte ich einen Krieg gestartet. Heute zieht es mir vor allem dann die Lefzen zusammen, wenn ich etwas Tolles vollbracht habe - oder gerade kläglich gescheitert bin. Dann muss die Semmel her, und zwar schnell.

Und das auch aus Gesundheitsgründen: der Leberkäs enthält mehr als 1500 µg Vitamin A pro 100 g. Das stärkt nicht nur die Haut und Schleimhäute, es ist zudem elementar für das Zellwachstum. Symptome bei Vitamin-A-Mangel können Nachtblindheit und die Störung der Spermienproduktion sein. Leberkäs hilft uns also, besser zu sehen und zu schnakseln. Aber bitte mit viel Haut von oben!


Doch es gibt ja noch so viele andere Formen der Abhängigkeit: von Chips zum Beispiel. Lang ist‘s her, aber zu Jugendzeiten habe ich mal knallhart eine Chips-Diät durchgezogen - also tagelang nur FannyChips ungarisch und sonst nix verputzt - und dabei wirklich abgenommen. Heute hat sich der Effekt merkwürdigerweise umgedreht, ich würde es also nicht mehr empfehlen.


Schlimm ist auch der Effekt: immer mehr, immer besser, zum Beispiel beim Wein. Es gab eine Zeit, da war es ein Matéus Rosé für 4,99 DM, wenn‘s mal etwas Besonderes sein sollte - und nicht wieder der Edle von Mornag, ein tunesischer Rotwein-Imitats-Fusel. Seitdem habe ich sicherlich den Gegenwert eines netten kleinen Häuschens durch meine Kehle gespült.


Aber: Warum sind es immer nur die süchtig machenden stofflichen Dinge, die dick, doof oder krank machen - und nicht das Zeugs, das man im Naturkostladen bekommt? Wo alles irgendwie nach Fischfutter riecht und die Zunge nicht pelzig oder aufgeraut zurück bleibt?


Das ist die Ungerechtigkeit des Lebens. Lecker essen - der Sex des Alters - hilft bei der räumlichen Vergrößerung des eigenen Astralleibs, lässt Hosenknöpfe gefährlich wegsprengen und den geschundenen Adonis-Körper nach drei Treppenstufen heftig ventilieren.


Andererseits: Fleißig futtern hilft dabei, häßlichen Faltenwurf zu vermeiden: gut gefüllte Körperteile ergeben nun mal glatte Oberflächen. Alles hat eben zwei Seiten. Und das Aussehen wird einfach überbewertet. Pfeif auf Diabetes und Specknacken - echte Schönheit kommt immer noch von innen.

Außerdem bin ich eh verheiratet.


 
 
 

2 Comments


georgunbehaun
Nov 27, 2022

Das mit dem TZ Zeitungskasten hatte ich vergessen. Ich weiß noch, dass ich immer den widerlichen fetten Fleischsalat mit zwei Brezen verdrückt hatte. Erstaunlich, dass wir überhaupt so alt werden konnten …

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Manfred Beiter
Manfred Beiter
Nov 26, 2022

Das war gegenüber vom Asam Gymnasium in der grossen Pause beim Spar. Der Abfall landete immer im TZ Zeitungskasten. Tolle Erinnerungen 😊👍

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