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Betrifft: Sportwetten


Wäre das nicht toll, wenn man einfach mal einen Blick in die Zukunft werfen könnte? Man wüsste immer, was man anziehen sollte und ob es sich lohnt, die hübsche Blondine anzusprechen. Ich hätte wohl eine Menge an Bitcoins gekauft, aber Fußballspiele wären beispielsweise stinklangweilig - na ja, sind sie eigentlich heute schon, denn der Meister steht eh fest. Aber da wir nicht die Zukunft vorhersagen können, wetten wir gerne drauf. Bis wir pleite sind.

Ich erinnere mich noch an Länderspiele, die wir mit Freunden am Fernseher verfolgt haben. Einige waren rettungslos dem Wettspiel verfallen. Denen war völlig wurscht, wer da gerade gegen wen auf die Socken trat - es war nur wichtig, dass der eigene Tipp ins Schwarze traf.

Und natürlich war der blödsinnigste und unwahrscheinlichste Tipp derjenige mit den besten Gewinnquoten. Das machte so manchen Fußballfreund sogar zum Vaterlandsverräter: mit einem feigen Tipp gegen das geliebte Heimatland, nur wegen des schnöden Mammons.


Das war damals recht nervig - aber keiner der Freunde lebt heute unter der Brücke, weil er Haus und Hof verspielt hat. Doch genau das passiert täglich in diesem unseren Land: Familien gehen kaputt, Süchtige kommen ins Gefängnis oder bringen sich aus Verzweiflung um.

Und zugleich entblöden sich so phantastische Vorbilder wie unsere Nationalspieler nicht, für die Sportwetten-Dealer von bwin bis tipico Werbung zu machen. Um damit ihr schmales Salaire noch ein wenig aufzubessern. Kann man ja verstehen.


Spielsucht ist - wie der Name schon so trefflich andeutet - eine Sucht, eine gefährliche Krankheit mit immensem Zerstörungspotenzial. Da gibt es keine wesentlichen Unterschiede zu Alkohol, Zigaretten, Koks oder Heroin. Ich habe schon lange keine Werbung mehr gesehen für solche lustigen Konsumprodukte. Wahrscheinich gibt’s dafür gute Gründe.

Aber die Online-Zocker dürfen durchstarten. Da stehen sie dann im schummrigen Neonlicht, mit verschränkten tätowierten Armen und martialischem Blick. Dazu blökt eine rauhe Männerstimme aus dem Off: "Du - bist Du!" Tolle Erkenntnis, hätte ich nicht für möglich gehalten. Werbung bildet eben.


Vor einigen Jahren war das in Deutschland noch verboten. Da kam das kleine Bundesland Schleswig-Holstein auf die glorreiche Idee, eine Art Online-Las-Vegas im platten Land zu genehmigen. Man musste nur per Klick bestätigen, dass man in dem Bundesland auch wohne. So viele Einwohner hatte Schleswig-Holstein noch nie.

Und dann sagte man sich in Berlin: Nein, so geht das nicht. Aber nicht deshalb, weil Online-Sportwetten eine besonders perfide Form von Sucht sind und schnell in die Abhängigkeit führen, sondern: Weil man als Vater Stast nicht am Verdienen an der Mörder-Knete beteiligt war. Also wurde beschlossen, dass nun alle sich ihre Taschen vollstopfen dürfen. Wir sind schließlich eine freie Gesellschaft, oder? Da kann doch jeder sich so zugrunde richten, wie er will.

Mir wird übel, ehrlich.



 
 
 

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