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Betrifft: Scheitern


Winston Churchill meinte einmal: „Erfolg ist die Fähigkeit, von Misserfolg zu Misserfolg zu gehen, ohne den Enthusiasmus zu verlieren.“ Wie recht er hatte. Wenn man auf die Fresse fällt, verändert es meist das eigene Profil - manchmal auch im übertragenen Sinne. Eine Ode ans grandiose Scheitern!


Kann sich der eine oder die andere noch an die bunten Tie Rack Krawatten-Läden an Flughäfen oder in innerstädtischen Toplagen erinnern? Wo ein modischer Stoffstreifen soviel kostete wie fünf Mittagsmenüs? Was der Herr Rack wohl heute macht? Vielleicht träumen vom einstigen Vatermörder-Imperium, mit dem er beeindruckend gescheitert ist, weil kein normaler Mensch mehr die Stricke um den Hals knotet, nicht mal mehr auf Beerdigungen.


In den Sand gesetzt, vergeigt, vermasselt. Auf ein erfolgreiches Geschäft kommen mindestens zehn Schüsse in den Ofen. Wer erinnert sich nicht noch an den Superstore ‚World of Music‘, in dem man sogenannte CDs verkaufte, glitzernde Silberscheiben mit Liedern drauf. Oder an die tollen Bubble-Tea Läden mit übersüßten Sirup-Gesöffen in perversen Geschmacksrichtungen und krebserregenden Leuchtfarben? Auch toll: Klingeltöne zum Kaufen. Alles gescheiterte Geschäftsideen. Zum Glück gescheitert.


Ich weiß recht gut, wie sich das anfühlt. Vor mehr als 20 Jahren war ich stolzer Geschäftsführer einer Internet-Company, mit tollen Kunden, tollen Mitarbeitern und tollen Zukunftschancen. Doch dann ging die ganze Chose innerhalb von wenigen Monaten den Bach runter. So manche schlaflose Nacht vor dem Termin der Auszahlung der Gehälter, so manche Vorladungen vor dem Arbeitsamt, so manche Szenairen, wie man sicherstellt, dass die Ehefrau nicht verarmt, wenn man im Knast sitzt - das hat was.


Aus heutiger Sicht muss ich sagen: Das war alles in allem eine echte Bereicherung meines Gefühls- und Berufslebens, und eine Art von nachgeholter Betriebswirtschaftslehre - wenn auch nicht ganz so preisgünstig. Und spätestens dann wechselte die Farbe meiner schwindenden Haarpracht von grau nach weiß.

Scheitern macht uns erst menschlich, zeigt uns als als das, was wir sind: verletzliche Kreaturen - eine Wesensart, die uns irgendwie sympathisch macht. Und wie schon der humorige Mephistopheles in Goethes Faust erkannte: „Es irrt der Mensch, solang er strebt.“


So sind wir eben und können es einfach nicht lassen. Und das ist auch gut so. Herr Sisiphus - der mit der Kugel, die jedes mal wieder runterrollt - ist der Schutzheilige aller Gescheiterten: auf der einen Seite ist es recht deprimierend, auf der anderen Seite hat er immer was zu tun - kann man ja auch mal so sehen.

Nicht jeder Finanzbeamte eignet sich zum Löwendompteur, nicht jede Fleischerei-Fachverkäuferin kann umschulen auf Germany’s Next Top Model. Und daher ist so manche gute Idee von Anfang an völlig chancenlos. Ist aber oft lustig anzuschauen, wie zum Beispiel die fantastische Idee vom Facebook-Grünger Mark Zuckerberg: MetaWorld, eine 3D-Welt, die uns allen eine neue Dimension in der Arbeit und privat eröffnen soll.


Das hat den superreichen Youngster mittlerweile ein paar Milliarden Dollar gekostet und ist ein garantierter Rohrkrepierer der besonderen Güte. Da sehen die Nintendo Wii Figürchen lebensechter aus als die MetaWorld-Avatare. Und auf der Wii haben sie sogar einen Unterleib, da muss Zuckerschnute noch ein wenig dran arbeiten.


Ein Projekt mit angesagtem Scheitern ist auch die sogenannte ‚Line‘ in Saudi-Arabien. Es geht um nicht mehr oder weniger als um das größte Bauwerk, das Menschen je errichtet haben werden: eine Stadt für 5 Millionen Einwohner mitten in der Wüste. Das wäre ja noch nichts Besonderes, aber: Die City ist begrenzt von zwei versüiegelten Mauern, die je 500 Meter (!) hoch sind - und nur 170 (in Worten: hundertsiebzig) Kilometer lang. Das entspricht je 2000 Empire State Buildungs pro Mauer. Nicht schlecht, oder? Scheitern kann ungeahnte Dimensionen annehmen.


Sollen die Scheichs es doch probieren, mir doch egal. Im Ami-Land wird man übrigens erst als richtiger Business Man anerkannt, wenn man schon einmal ein Unternehmen mit Schmackes gegen die Wand gefahren hat. Und der Geld-Philosoph Georges Soros meint sogar: mindestens zweimal. Dann bin ich ja auf einem guten Weg.


Einmal habe ich‘s ja wenigstens schon geschafft.



 
 
 

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