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Betrifft: Rauchen


Was waren das noch für Zeiten, als man im Flieger auf den hinteren Reihen regelrecht geräuchert wurde, als man die Musikbühne nur schemenhaft erkannte, als jede Tischdecke im Gasthof ein Brandloch hatte. Stinkende Zeiten waren das. Und auch ich war ein qualmender Stinker. Mein Hausarzt sieht das noch heute - nach 27 Jahren Nikotin-Abstinenz.


Schuld daran war meine Mutter. Die rauchte wie ein kaputter Ofen Krone-Zigaretten. Und wenn ich mal wieder nicht einschlafen konnte, kam ich zu ihr ins Wohnzimmer. Dort war es gleißend hell und es roch nach billigem Fusel namens Kellergeister - und eben nach den Zigaretten, die sich als Filterreste im Aschenbecher stapelten.


Für mich stand diese Kombination irgendwie für Freiheit, für Unabhängigkeit - zu tun, was man will, aufbleiben, solange man will. Deshalb war meine Einstellung zu Kippen und Fusel von Anfang an durchweg positiv. Zum Glück nicht zu billiger Weinplörre, sonst gäbe es mich wohl nicht mehr. Oder kennt irgendjemand einen lebenden Kellergeister-Trinker? Ich jedenfalls nicht.


Meine Mutter meinte immer: „Kannst gerne eine Zigarette probieren“, weil sie nicht wollte, dass mich der Reiz des Verbotenen zum qualmenden Süchtling machte. Aber genau so kam es.

Ich zog damals mit einem Freund um die Höuser, der seine Nikotinsucht durch parfümierte Jigs befriedigte, die er von seiner Mutter geklaut hatte. Da ihm das lästig war, wollte er, dass ich ihm das nachmachte, aber ich hatte keine Lust zu rauchen. Bis ein superspannendes Fußball-Spiel des glorreiches FC Bayern meine Nerven so dermaßen quälte, dass ich auf sein hinterlistiges Angebot einging - ich Depp. Ab da hing ich an der Fluppe.

Täglich eine Schachtel rote Marlboro, im Notfall mal eine Camel, aber immer die ganze Packung - sommers wie winters, ob am Freitag mit Party oder am verregneten Dienstag: immer musste ich meinen Suchtpegel halten. Mein Frühstück war entzündlich, genau wie mein Betthupferl. Und Verdauung ohne Nikotinstengel ging gar nicht.

Aufgehört habe ich nicht aus Vernunft, sondern aus Wut: darüber, dass mich die Sargnägel dermaßen gut im Griff hatten. Ich erinnere mich an den Flug von San Francisco nach Düsseldorf. Meine damalige Freundin war Nichtraucherin, aber dafür konnte ich ja nichts. Sie behauptete, ihr würde schlecht in der letzten Raucher-Reihe und weigerte sich, partout, die neun Stunden mit mir da hinten in der Rauch-Nebelwand zu verbringen. Aber von mir ganz selbstverständlich erwarten, dass ich neun Stunden - in Zahlen: 9 - ohne Suchtmittel durchstehe. Purer Egoismus und Intoleranz.


Das war mir irgendwann zu doof, und so qualmte ich am 01.01.1997 um 0:01 Uhr meine letzte Zigarette. Nach einem halben Jahr mit Depressionen und erheblicher Gewichtszunahme war ich geheilt. Und noch heute sieht mein Hausarzt beim Ultraschall Ablagerungen in meinem Beinarterien. Man hat echt lange was davon. Heute schmecke ich wieder etwas und stinke nicht mehr.


Und wenn doch einmal, dann hat das andere Gründe.


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