Betrifft: Rache
- georgunbehaun
- Jun 24, 2022
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Die Rache ist mein, spricht der Herr. Aber sie macht viel zu viel Spaß, als dass man sich hier keine kleine Sünde leisten sollte. Rache ist Blutwurscht, aber zugleich süß. Ich mag sie - irgendwie. Hier drei Beispiele aus meinem bewegten gefühlsbetonten Leben. Und nicht jedes hat ein Happy-End.
Rachegedanken entspringen ja oft einem tief empfundenen Neid. Darin sind wir Deutschen ja Weltmeister - wenigstens darin. Beispiel Boris Becker. Der machte lange auf Jet-Set-A-Promi und krallte sich jede exotische Ische, die bei drei nicht auf den Bäumen war.
Und dann: ein Abstieg shakespearscher Dimension, inklusive Bankrott und Knast. Geschieht ihm irgendwie recht, denkt so mancher - nicht natürlich der Autor. Obwohl: Auch ich konnte mir manche neidischen Rachegedanken in meinem Leben nicht verkneifen. Beispiel Uli Sprotowski.
Mein Gymnasium im Münchner Problemviertel Giesing war nur für Jungs, mit entsprechendem Samenstau. Das sollte sich zum folgenden Schuljahr ändern (das mit den Mädels und damit auch das mit dem Samenstau), und plötzlich freuten wir uns wieder so richtig auf den Schulbeginn.
Die weibliche Ausbeute war optisch gesehen dann allerdings eher ernüchternd, bis auf einige ganz interessante visuelle Ausnahmen. Und die sah man immer mit dem Mitschüler Uli Sprotowski rumziehen, der auch noch in meiner Klasse war. Er hatte ein Dutzendgesicht, war leicht untersetzt, aber konnte gut labern. Und das kam bei den Tussen ziemlich gut an. Es war ein einziges Scherzen und Schäkern. Wir hassten ihn alle.
Bis ich eines Tages einen sehr interessanten Dialog zwischen zwei hübschen Mädels mithören durfte: „Du, der Uli ist echt ein netter Kerl, mit dem kann man einfach über alles reden.“ „Sag mal, hast Du was mit dem?“ „Ach was, Du spinnst ja, auf die Idee bin ich ja noch nicht mal gekommen …“ Meine Welt war in Sekundenschnelle wieder in Ordnung, und fast tat der Uli mir leid. Aber nur fast.
Rache findet man auch oft in Nachbarschaft mit Liebesgefühlen und der Verletzung selbiger. Meine wurden verletzt von einer jungen Dame namens Petra Schön. Name war Programm. Allerdings war das Schicksal ansonsten recht geizig bei ihrer Ausstattung vorgegangen. Es gibt mit Sicherheit einige Topfpflanzen mit höherem IQ als die Münchner Vorort-Schönheit, aber ich war - rein testosteronbedingt - schwer verschossen in sie. Sie aber dummerweise nicht in mich, außer etwas knutschen ergab sich daher nichts Erwähnenswertes.
Jahre später traf ich sie auf einem Studentenfest, und der Schock traf mich tief: sie hatte umfangstechnisch zugelegt, und das nicht gerade wenig. Mein Jugendtraum, in Kilokalorien zerplatzt.
Ich war so sauer, dass ich beschloss, mich an ihr zu rächen: sie einfach rumzukriegen und dann eiskalt von der Bettkante zu schmeißen, jawoll. Mit ihrem Übergewicht sollte sie jetzt wohl nicht mehr so wählerisch sein. Und was passierte? Sie ließ mich ein zweites Mal abblitzen. Das war doppelt gemein und sehr erniedrigend. Heute mag ich sie nicht mehr.
Späte Rache ist etwas für ganz geduldige Gemüter - wie bei mir mit meiner Großtante Grete. Ich hatte sie nur einmal getroffen, aber damit auch exakt einmal zu oft.
Ich war wohl so neun oder zehn Jahre alt und zu Besuch bei meinen Großeltern im beschaulichen Speyer. Just zu dem Zeitpunkt kam Tante Grete auch zu Besuch: eine aufgebrezelte, dickliche, permanent schnatternde Matrone. Wir trafen uns bei meinen Großeltern, bei steinhartem, steinaltem Christstollen und bitterem Pfefferminz-Tee zu einer Partie Monopoly.
Am Anfang lief es für mich hervorragend, nicht jedoch für Tante Grete, der zunehmend die Kohle ausging. Irgendwann meinte sie zu mir, ob ich ihr wohl finanziell ein wenig aushelfen könne. Gut erzogen, wie ich nun mal war, half ich ihr natürlich aus.
Im Laufe des Spiels kippte dann mein Spielglück ins Minus, und schließlich fragte ich Tantchen, ob sie nun wiederum mir aus der Patsche helfen würde. Sie schaute mich belustigt an und meinte freundlich: „Nö“, und ich flog aus dem Spiel.
Ich war sowas von mega-sauer und habe es ihr nicht verziehen. Ich kam aber gut drüber hinweg, schon weil dieses Treffen das einzige in unser beider Leben blieb. Aber ich hörte dann doch noch von meiner entfernten Verwandtschaft.
Denn eines Tages trudelte ein amtliches Schreiben ein, in dem ich informiert wurde, dass meine Großtante das Zeitliche nun gesegnet hatte und mir ein 36stel ihrer Hinterlassenschaft zustehen würde - und das war bei weitem mehr, als ich ihr damals geliehen hatte.
Der Liebe Gott hat eben einen ganz feinen Sinn für Humor - man muss nur manchmal bis zur Pointe etwas länger warten.



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