Betrifft: Pubertät
- georgunbehaun
- May 6, 2023
- 2 min read

Es ist vorbei. Schluss. Ende, aus: unsere Tochter ist pubertätsfreie Zone! Darauf habe ich nun acht Jahre gewartet. Und jetzt ist es soweit. Ich dachte schon, es hört nie auf. Tut‘s aber. Pubertät ist die effizienteste Form der Verhütung. Aber sie ist heilbar. Und das ist gut so.
Es begann ganz schleichend: eigene Ansichten, beim Essen Sonderwünsche, aber vor allem: Widerworte. Mein Gott, was war das für eine unbeschwerte Zeit, als die Kleine noch so richtig klein war, also mit belanglosem Gelalle und ‚Du bist der beste Papi von der ganzen Welt‘ und so. Eine Brezn mitgebracht, und schon gab‘s einen Schmatz von der pausbackigen Nachkommenschaft.
Und wie g die funkelnden Kinder-Äugelchen, wenn der Weihnachtsbaum erleuchtete und die Lebkuchen im Keksteller dufteten. Alles weg. Plötzlich hieß es: ‚Papi, Du bist peinlich‘ oder ‚Ich finde Deine Musik doof‘ oder ‚Nein, das ziehe ich nicht an‘ und so weiter und so weiter. Absolute Katastrophe.
Den ersten Schock bekam ich, als ich feststellen musste, dass meine Tochter Brüste bekam. Darauf war ich nicht vorbereitet. Ab dann ging‘s bergab. Sie sprach auf einmal nicht mehr. Wenigstens nicht mit uns, den alten Säcken, die sowieso nix peilten. Körperhaltung, Gang, Gestik und Mimik strahlten dauerhaftes Missvergnügen aus. Das waberte dann gleichmäßig in die verwandtschaftliche Umgebung und schuf eine emotionale Aura, die zum spontanen Auswandern motivierte.
Pubertät fördert die Schlaffähigkeit ungemein. Kinder mit dieser temporären Erkrankung erscheinen nur an wenigen Tageszeiten, dann meist nur zur Nahrungsaufnahme. Da darf man sie auf keinen Fall ansprechen, einfach still machen lassen und danach die Küche renovieren.
Weitere heiße Tipps zum Umgang mit den flügge-werdenden Zeitgenossen: keine Kritik üben, wozu auch immer; nicht fragen, warum sie so mies drauf sind; nie wecken; keine Komplimente machen, die werden nur gegen einen selbst verwendet.
Ein Geist ging um in unserer Kleinfamilie. Er sagte, ohne zu sprechen: 'Lass mich in Ruhe' und 'Interessiert mich nicht' und 'Kümmere Dich um Deinen Kram.' So ging das dann tagein, tagaus. Aber plötzlich trat ein kleines Wunder ein - ich weiß es noch wie heute: Mein Handy klingelte und meine Tochter meinte, sie sei gerade beim Einkaufen und fragte mich, ob sie etwas mitbringen solle. Einfach so. Ohne Anlass. Da wusste ich, dass es bald vorbei sein wird mit der pubertären Nabelschau. Ab jetzt hatten wir uns alle lieb und tanzten um den Stuhlkreis.
Und das Leben wurde wieder schön.
Schoschens Welt nun auch auf YouTube.



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