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Betrifft: Prognosen


Wer würde nicht gerne in die Zukunft blicken, um zu erfahren, was denn der Weltenlauf so alles mit einem vor hat? Ich. Sonst wäre ja ein jedes Fußballspiel öde und man wüsste schon heute, dass der FC Bayern auch dieses Jahr wieder deutscher Meister würde (Mooooment mal 😊). Anyway: Prognosen sind was für eher schlichte Geister, und in magischen Glaskugeln kann man gar nichts lesen - außer den Schriftzug ‚Made in China‘ am Glasboden.


Ganz ehrlich: Ich bin überhaupt kein Freund von Prognosen. Und das hat seinen Grund. Als ich mich in der vierten Klasse rumlangweilte, nahm mich meine Mutter zu einem Schulpsychologen mit, um festzustellen, ob - und wenn ja: für was denn das Kind so befähigt sei. Der Könner seines Fachs fand bei mir messerscharf heraus, der Bub hat eine beeindruckende kognitive-logische Intelligenz, und ich landete folgerichtig an einem mathematisch-naturwissenschaftlichem Gymnasium. Volltreffer. Meine miesesten Noten bekam ich dann stets in den Fächern Mathe, Bio, Physik und Chemie.

Es gibt die meines Erachtens richtungsweisende Erkenntnis, dass alle -logen lügen. Und das sage ich als Politologe. Die beiden schlimmsten Ausformungen dieser Spezies nennt man Astrologen und Meteorologen.


Die einen erklären einem, irgendeine Sternenformation wird in Bälde für heftigen Durchfall sorgen, und wenn dann eine zarte Flatulenz die heimische Rosette verlässt, dann weiß der erfahrene Horoskop-Junkie: „Ich wusste, dass das so kommen würde.“


Die andere verlogene Gattung behauptet, sie könne das Wetter vorhersagen. M-hm, ganz bestimmt: „Morgen bereit uns ein Hochkeil von den Azoren weitestgehend blauen Himmel, teilweise entwickelt sich aber auch vermehrt Wolkenbildung mit leichten bis heftigen Regenfällen, der Wind kommt aus verschiedenen Richtungen.“


Da ist für jeden was dabei, die Vorhersage stimmt einfach immer. Und beleidigt meine Intelligenz. Wenn diese wissenschaftlichen Wünschelruten-Gänger sich dann doch mal festlegen, dann trifft genau dies meist nicht ein - was hiermit mal eine Prognose mit hoher Wahrscheinlichkeit ist.

Die fröhlichen Wetterfrösche wollen mir allen Ernstes weismachen, sie seien in der Lage, mir zu erläutern, wie unser Weltklima in 25 Jahren beschaffen sein wird, wo sie doch noch nicht einmal in der Lage sind, die nächsten 24 Stunden vorherzusagen. Was für Stümper.

Der Mensch ist blöde,- sorry, das sagen zu müssen. Denn er glaubt immer, was er glauben will, diese Fehlfunktion nennt der Fachmann kognitive Dissonanz. Aber das kann man gegen ihn verwenden - und dem Dödel jede Menge Knete aus der Tasche ziehen - und das ohne dafür in den Knast zu wandern, ganz legal.


Also, das geht so: Man kaufe 8.000 Mailadressen und überlege sich vier Entweder-oder-Situationen aus Wirtschaft oder Politik, also zum Beispiel: steigt die BMW-Aktie oder fällt sie, welcher von zwei Kandidaten wird der nächste Bundespräsident und so weiter.

Jetzt schickt man der einen Hälfte Börsentipps für den Fall A, zum Beispiel: Der Ölpreis wird sicher fallen.“ Die andere Hälfte bekommt die gegenteilige Prognose. Dann wartet man ab, bis die Würfel gefallen sind und schreibt den Empfängern der richtigen Vorhersage ein Folgemail mit der nächsten Weissagung.


Das Spielchen macht man dann noch zweimal, dann bleiben tausend Adressaten übrig, denen man viermal hintereinander das Richtige prophezeit hatte. Die sind jetzt reif für die Empfehlung irgendeiner Schrott-Aktie, an deren Verkauf man sich dann blöde verdienen kann.

Vorhersagen helfen uns nichtswissenden Erdenwürmern dabei, mit einer Zukunft umzugehen, die wir nolens volens noch nicht kennen, weil sie ja noch gar nicht angefangen hat. Deshalb sind Vorhersagen so seriös wie ein veganer Ernährungstipp von Clemens Tönnies.

Hätte man den ganzen verbalen Sondermüll von sogenannten Zukunftsforschern für bare Münze genommen, wäre man schon längst von Gummiwänden und Zwangsjacken sanft umschlossen. Autos, die mit Atomstrom sausen? Center Parcs auf dem Mars? Niemand wird so gaga sein, Donald Tramp zu wählen? Internet macht intelligent? Der Mensch denkt, und Gott lenkt. Ist auch besser so, sonst gäb‘s zu viele Unfälle.

Ich selber habe mal eine tolle Prognose gestartet: „Das mit dem Corona, das ist alles Quatsch und genauso gefährlich wie eine stinknormale Grippe. Ich wette, in ein paar Monaten ist das Thema längst durch.“ Das war im Februar 2020. Bei Fußball-Wetten habe ich eine bessere Quote.

Wir sollten das einfach sein lassen, das mit den Prognosen. Schon das Rheinische Jrundjesetz sagt ganz richtig: „Et kütt wie et kütt.“ Aber: Was wird denn morgen alles geschehen? Wie wird sich meine Welt verändern? Mir doch egal, heute ist heute, und nicht morgen. Sonst würde ‚heute‘ ja ‚morgen‘ heißen.

Und außerdem: In spätestens 24 Stunden weiß ich‘s eh.



 
 
 

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