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Betrifft: Portugal

Updated: Sep 3, 2023


Ganz hinten links in Europa, kurz vor Afrika, dümpelt ein gemütlicher Landstrich vor sich hin, der es in sich hat: Portugal, das Land der Seefahrer und Entdecker, das ehemalige Weltreich der immerwährenden Sonne und der hüfterweiternden Sahnepasteten: eine Liebeserklärung.


In Portugal gibt es auch Menschen wie bei uns, aber viel weniger und auch viel kleiner, ungefähr im Maßstab 1:1,25. Männer haben keinen Hintern, Frauen schon.


Triggerwarnung: Als militanter Gender-Gegner folgt nun permanent das Generische Maskulinum. Denn für mich sind alle Portugies*/_Innen ganz einfach: Portugiesen, ob mit oder ohne Schniedel.


Man ist hier in jeder Hinsicht entschleunigt: Der gemeine Portugiese lächelt meist freundlich, bewegt sich langsam vorwärts – auch beim Bedienen ausländischer Urlaubsgäste –, er hupt selten, er schimpft nicht, er lässt dem Lieben Herrgott und seinen Mitmenschen ihren Frieden.


Sein Götterfusel, genannt Vinho, ist einer der feinsten. Gemixt aus vielen unterschiedlichen Traubensorten, schmeckt vor allem der Rotwein aus dem Alentejo kraftvoll, rund und sehr individuell - genau wie die Einwohner (also bezogen auf ihr Wesen, nicht, wie sie schmecken; das haben wir bisher noch nicht ausprobiert).


Lissabon ist immer noch faszinierend, ein wenig schräg und abgeliebt wie ein alter Teddybär, aber immer noch sehr lebhaft, melancholisch verspielt und ein wenig aus der Zeit gefallen. Wie seine Bimmelbahn, die rumpelnd und schunkelnd die sieben Hügel der Stadt emsig rauf- und runterrattert.


Überhaupt: das Vergangene. In der alten Metropole eines ehemaligen Weltreichs gibt es Dinge, die in anderen vergleichbaren Städten schon längst dem Fortschritt geopfert wurden. Da gibt es Handschuh-Geschäfte, die nur Handschuhe verkaufen. Man kann hier im Fotoladen Kameras entdecken, die es bei uns höchstens auf den Flohmarkt schaffen. Und im Nähgeschäft an der Prachtstraße Avenida da Liberdade verkauft eine freundlich gebückte Kräuterhexe Wollknäuel - keine Ahnung, wie man davon leben kann.


Wahrscheinlich nur, wenn man sehr bescheiden ist. Und das scheinen die Portugiesen zu sein. Im Gegensatz zu anderen ehemaligen kolonialen Weltenlenkern scheinen sie aus ihrer bewegten Vergangenheit Kraft für den heute eher bescheidenen Alltag zu ziehen. Und nicht zu glauben, man sei heute noch der Herrscher der sieben Meere, wie es beispielsweise die Inselaffen immer noch tun.


Hier, im Paradies für Störche und Flamingos, scheint die mediterrane Sonne von März bis tief in den Oktober. Die sesshaft gewordenen Zugvögel von den britischen Inseln - auch Engländer oder Brexit-Deppen genannt -, sind hier ganzjährig anzutreffen. Sie schmutzen selten, sind stets freundlich und fahren in 30er Zonen höchstens 20 kmh. Das stresst wirklich.


Was machen Portugiesen sonst noch? Sie sprühen gerne und oft. Nicht vor Energie, sondern vor allem auf Häuserfronten. Wenn man lange genug ruhig an einem Fleck verharrt, kann es sein, dass man ruckzuck mit hässlichen Comic-Motiven oder portugiesischen Schimpfwörtern bepinselt wurde. Oder mit Kochrezepten. Was weiß ich, man kann das Geschmier eh nicht entziffern.


Singen tun sie auch gerne, die Portugiesen, und das oft und laut. Genannt wird das Ganze Fado, eine Art weinerlicher Klagegesang mit Gitarrenbegleitung. Es hat eine verblüffende akustische Ähnlichkeit mit den gutturalen Lauten, die man vernimmt, wenn ein durchschnittlicher Mitteleuropäer unvermittelt in ein rostiges Nagelbrett tritt. Dass die Person mit der Gesamtsituation nicht zufrieden ist, kann man auch ohne portugiesische Sprachkenntnisse verstehen.


Ach ja: Autofahren beherrschen sie gar nicht, da könnten sie glatt Engländer sein.

 
 
 

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