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Betrifft: Popkonzerte


Gibt es etwas Schöneres, als bei windigem Dauerregen im feuchten Schlamm zu waten, eine labbrige Fischsemmel zu futtern und mieses warmes Bier aus dem Pappbecher zu schlürfen? Ja. Alles mögliche. Ganz viel. Außer man steht auf einem Festival und hat dafür auch noch jede Menge Schotter hingeblättert. Lohnen sich Popkonzerte? Ja, verdammt.


Was ist eigentlich Musik? Strukturierte Luftschwingungen, sonst nichts. Und trotzdem können sie unsere Seelen zum Schwingen bringen. Und dazu, ein Vermögen zu investieren, um für eine gewisse Zeit die Zeit anzuhalten. Musik ist eine mystische Parallelwelt, in der die Faszination des Lebens mit den Harmonien des schönen Dreiklangs in einen spielerischen Dialog  einschwingen (was für ein Satz!). Deshalb hasse ich Hiphop.


Und Konzerte sind die okkulten Gottesdienste des akustischen Mysteriums. Wenn die fast-Götter hinabsteigen vom Olymp des Orpheus in die Sphären des profanen Volks und in Fleisch und Blut ihre Weisen vortragen - dann ist das Massenpsychose ohne Nebenwirkungen, außer einem leeren Geldbeutel. Am Ende bleiben sie meist Meilensteine in der eigenen Vita: „Weißt du noch, damals beim Prince-Konzert …“


Aber warum die Erinnerung an Regen und Matsch? Weil die meisten Festivals zu Pfingsten liefen, und da ist absolute Mieses-Wetter-Garantie. Das erinnert mich an den Reutmeier Peter - ein Typ, den man gerne vermeidet, den man aber dummerweise immer wieder trifft. Der hatte sich schon lange vor dem Konzert alkoholtechnisch weggeschossen, war aber dauernd da, auf bayerisch: ein Adabei.


Irgendwann war ihm der Regen zuviel, er zog sich bis auf die Unterhose aus und tanzte wie ein Derwisch in den Pfützen des Geländes. Dann hatten wir ihn endlich ‚verloren‘.


Unsere Tochter erlebte ihr erstes Festival mit fünf Jahren im niederbayerischen Mühldorf. Status Quo und Deep Purple waren ihre Begleiter in der frühkindlichen Musikerziehung. Beim Haupt-Act pennte sie in meinen Armen. Aber heute schenkt sie uns jede Menge Konzertkarten. Hat sich gelohnt.


Aber Festivals waren schon Hardcore für den Körper. Durchnässt, schlechtes Bier und die eigenen Beine im Bauch, ging‘s danach ab ins Auto und rein in den Stau. Schon vier Stunden nach dem letzten Ton ist man dann endlich daheim. Und trotzdem schwingt es im Inneren noch wochenlang selig im Rhythmus und den dröhnenden Bässen der fetten Boxen. Fazit: Popkonzerte sind Quatsch.


Und zwar der schönste der Welt.

 
 
 

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