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Betrifft: Polizei




Was waren das für schöne Zeiten in den 70ern und 80ern: Queen rockte in bezahlbaren Konzerten, Franz Josef Strauß regierte das Königreich Bayern, Erdbeeren schmeckten nach Erdbeeren - und Polizisten trugen Jägerkleidung, Schnauzer und waren ein Freund und Helfer. Wo sind wir nur hingekommen?


Meine Mutter gab mir schon mit ihrer selbstproduzierten Milch mit: „Vertraue dem Schutzmann, er schützt auch dich.“ Das habe ich immer so gelebt - außer wenn das Licht an meinem Mokick kaputt war oder ich nach dem Starkbier-Abend auf dem Nockherberg beschwingt heimtuckerte.


Wir hatten im Münchner Satelliten-Vorort Fasanenpark gleich im Nachbarhaus eine Polizei-Inspektion, mit lauter jungen Kerlen in der Ausbildung. Ich hatte meistens schrottige Gefährte, die immer mal wieder nicht ansprangen. Da wandte ich mich meist an meine jungen nachbarlichen Freunde und Helfer, die sich dann für mich als Hobbymechaniker betätigen durften.


Mir hat es immer einen tierischen Spaß gemacht, zu den Youngsters in lindgrün rüberzuspazieren, wenn ich beispielsweise eine Verlustanzeige brauchte. Dieser Blick des armen Gegenübers, wenn er in seine Schreibmaschine das Formblatt eingespannt hatte und nun mit großen Augen auf die für ihn bedrohlich wirkende Tastatur starrte. Dann - nach kurzem Innehalten - flogen die beiden Zeigefinger in die Luft und schwangen sich ein auf bestimmte Zielbereiche der Buchstaben. Ein Geistesblitz, und einer der beiden wurstigen Extremitäten sauste auf eine Zieltaste herunter - und das Gesicht des Polizeiwachtmeisters hellte sich kurz auf. Ich war ein großer Fan der Polizei.


Und wenn ich dann mal ein wenig zu viel im Tee hatte, fand ich stets einen väterlich-fürsorglichen Schupo, der mir meinen Führerschein nicht wegnahm. Auch mein alter Herr empfing ab und zu diese verbeamtete Grade - zum Beispiel, als er und ich uns nach einer durchzechten Nacht im Fiat Sport Coupe im Straßenbahn-Graben wiederfanden. Die Polizisten schimpften uns und fuhren uns dann zum nächsten Taxistand. Was waren das für Zeiten.


Und heute? Polizisten werden angepöbelt, angegriffen und anderweitig respektlos behandelt. Statt dankbar zu sein, dass sie unser fragiles Land zwischen organisierter Kriminalität, politischen Exzessen und sozialen Spannungen beschützen und die bösen Buben hinter schwedische Gardinen bringen. Nur, weil das eigene Ego irgendwo austickt und der kleine wichtigtuerische Spießbürger ‚seine Rechte‘ einfordert - ohne Rücksicht auf die Rechte anderer. Seinen Frust lässt er dann an den uniformierten Schutzmännern aus.


Geht gar nicht.


 
 
 

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