Betrifft: Phobien
- georgunbehaun
- Jun 10, 2023
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Darf man sich über das Leid anderer lustig machen? Natürlich nicht. Nur manchmal. Nur wenn es echt komisch ist. Nur dann. Zum Beispiel bei merkwürdigen Ängsten, sogenannten Phobien. Was haben wir gelacht. Also: quasi unter Vorbehalt gelacht, denn man macht selbstverständlich keine Scherze über menschliche Gebrechen. Macht man nicht. Ok, Schluss mit dieser falschen Rücksicht: Manege frei für menschliches Gaga!
Gehen wir am besten systematisch vor und fangen bei A an: Da gibt es zum Beispiel die Anatidaephobie – Angst, von einer Ente beobachtet zu werden. Die finde ich cool. Enten-Stalking. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal von einer Ente beobachtet wurde. Und ich vermute mal, dass ich damals keine Angst davor hatte. Ich scheine also eindeutig nicht unter Anatidaephobie zu leiden. Irgendwie beruhigend.
Auch sehr schön: die Arachibutyrophobie, also die Angst vor am Gaumen festklebender Erdnussbutter. Das kann ich gut nachvollziehen. Alles klebt, der Mund ist wie versiegelt, die Zunge zementiert und das Ende nahe. Meist hilft da ein kräftiger Schluck Wein, und die Nahtod-Erfahrung hat jäh ein Ende.
Lustig, aber auch ein wenig albern ist die Aulophobie – Angst vor Flöten. Vor Flöten. Also bitte. Bei Querflöten hätte ich ja noch Verständnis. Aber bei Flöten fehlt mir jedes Verständnis. Was für Memmen.
Sehr gut verstehen kann ich die Cenosillicaphobie, also die Angst vor einem leeren Bierglas. Das ist jedem schon mal passiert. Das einzige wirksame Gegenmittel in solch einem existenziellen Notfall ist das sofortige Ordern eines neuen Gebräus. Am besten auf Rezept.
Der Mensch ist schon recht eigenartig: verständlich ist ja noch die Ergophobie: die Angst vor Arbeit - wer kennt das nicht. Schräger ist da schon die Friggaphobie, die Angst vor Freitagen. Ich meinerseits fürchte mich bedeutend häufiger vor Montagen.
Völlig unverständlich dagegen ist mir die Genuphobie: Angst vor Knien. Aber vielleicht deshalb, weil ich nie von einer Frau in meiner Körpermitte mit ebensolchen angegriffen wurde, Aus meiner Kindheit kenne ich die Hypnotopophobie, also die Angst, ins Bett zu gehen. Und sehr vertraut ist mir die Kakophonophobie: die Angst vor schlechter Musik. Die ist angesichts der aktuellen Musikbeschallung mehr als berechtigt.
Was gibt’s sonst noch so an kuriosen Gründen für Panik-Attacken? Jede Menge absurden Schwachsinns - beispielsweise die Koumpounophobie: Angst vor Knöpfen. Kein Fake. Hübsch finde ich auch die Kyphophobie, die Angst, sich zu bücken - nachvollziehbar bei sich duschenden Knastbrüdern auf der Suche nach der Seife.
Ich habe Freunde, die sehr leiden unter der Lachanophobie – der Angst vor Gemüse, die sie mit Fleisch als Ersatznahrung tapfer bekämpfen. Und eine typische Krankheit wirklich aller Teenager ist die Nomophobie - die fürchterliche Angst, ohne Handy zu sein. Was für ein Alptraum. Aber die schönste Phobie aller Phobien ist die Phobophobie. Die Angst vor der Angst.
Davor habe ich echt Angst.



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