Betrifft: Obst
- georgunbehaun
- Apr 27, 2024
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An sich finde ich Obst öde. Es ist zwar oft hübsch bunt, wird aber meist nach recht kurzer Zeit zu klebrigem Matsch. Und viele Sorten schmecken nicht wie sie sollten. Fructose kann Diabetis erzeugen und Pfirsichflecken gehen nie wieder raus. Wozu also gibt es Obst? Ein Sinnfrage, die endlich einmal geklärt werden muss.
Es ging ja schon mies los mit dem Apfel der nackerten Eva. Ohne sie würden alle Frauen bis heute kleidungslos rumtänzeln, da sie sich ja nicht schämen würden - was in den meisten Fällen ein gewinnbringender Aspekt des männlichen Alltags bedeuten würde. Aber im ersten Apfel der Menschheitsgeschichte war eben der Wurm drin.
Ich selbst hatte auch mein Apfel-Erlebnis. Als ich beim Bund einen Teil meiner Jugend vergeudete, gab es eine der wenigen Nachtmärsche, die ich nicht schwänzen konnte. Da sich in meinem mäßig schmackhaften Fresspaket ausschließlich Produkte befanden, die älter waren als ich selbst, habe ich dankend auf deren Verzehr verzichtet. Morgens war mein Frust groß und mein Magen leer. Und da stand er vor mir: ein knorriger Baum voll von saftigen fetten Boskop-Äpfeln. Nie mehr habe ich Obst so genossen wie damals im spätherbstlichen Warburger Land.
Das war‘s aber fast mit meinen positiven Obst-Erlebnissen. Explizit ausnehmen möchte ich viele Formen vergorener Früchte. Meine ehrlich empfundene Zuneigung begann mit Omas Rumtopf und hört heute bei einem schweren Sangiovese nicht auf. Nimmt man aber den Alkohol raus, war‘s das mit der Herrlichkeit.
Im Mittelalter galt die Erdbeere als Symbol der Nichtigkeit: einmal gegessen, hat man in Kürze vergessen, wie sie überhaupt schmeckt. Das ist heute anders: weil sie mittlerweile nach gar nichts mehr schmeckt, kann man den nicht vorhandenen Geschmack auch nicht vergessen. Bedankt, Holland. Gracias, Spanien.
Vor Jahren wollte ich mal meine Einstellung zu Obst radikal verändern. Wir zogen zum Münchner Viktualienmarkt, um ein paar exotische Früchte zu kaufen - von Rambutan bis zur Drachenfrucht. Zuhause angekommen, futterten wir das langweilig schmeckende Zeugs weg und waren um fast fünfzig Euronen ärmer. Mission failed.
Viele Mitmenschen labern einen voll von wegen: Obst ist ja soooo gesund. Mein Magen sieht das anders und wird meist ziemlich sauer, wenn ich Apfelsinen oder Bananen in ihn reinstopfe. Noch eine Tasse Kaffee dazu, und mein Gastro-Organ tanzt Samba. Muss ich nicht haben. Und Chips haben sicher auch irgendwelche Vitamine.
Vielleicht rührt mein toxisches Verhältnis zu Obst von den wenigen Einsätzen, die ich bei der Tafel Starnberg hatte. Da kann man tolle biologische Entwicklungen miterleben: Himbeeren in weißem Flaum, Orangen mit türkisfarbenen Ummantelungen, Zitronen mit lindgrünem Pelz. Und die Gerüche erst. Pfui deibel.
Es gibt ja achtsame Zeitgenossen, die als sogenannte Fruktuarier nur Dinge in den veganen Schlund schleudern, welchselbige die Pflanze - als wertzuschätzende Persönlichkeit - freiwillig abgibt: die Frucht. Von mir aus kann der Herr Apfelbaum oder die Frau Himbeerstaude ihre missratene Brut gerne für sich behalten. Macht mir gar nichts aus. Is mir wurscht.
Mein ganz persönliches Fazit: Obst ist sinnlos. Es gibt Fruchtsäfte und Vitaminpillen, das reicht völlig. Obst klebt, macht zuckerkrank, bedeutet eine ernstzunehmende Rutsch-Bedrohung in Form von Bananenschalen - und was ist die schlimmste Sünde faulen Obstes?
Ganz klar: Äppelwoi.



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