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Betrifft: Niederlande


Sie sind laut, singen schief, treten stets in Massen auf, verkleiden sich als Orangen, fallen mit ihren mobilen Schneckenhäusern bei uns ein, bringen ihre Teebeutel selbst mit und haben eine Hals auf uns Deutsche, die Moffen. Es lebe das Klischee. Aber: Hat sich da nicht einiges in den letzten Jahren verändert? Ja, natürlich. Und auch wieder nicht. Ein Stimmungsbericht.


Holland ist ein recht schwer gebeuteltes Mini-Land unter dem Meeresspiegel. Da war man einst im sogenannten Goldenen Zeitalter im 17. Jahrhundert eines der reichsten Länder des Erdenrunds, Amsterdam die wirtschaftlich wichtigste Weltmetropole und das koloniale Reich um den Globus verteilt. Man bestimmte die Mode, war führend im Handel mit Tuch und Gewürzen sowie richtungsweisend in Kunst und Kultur - Rembrandt und Rubens lassen grüßen.


Das Kolonialreich zerfiel in der Mitte des 20. Jahrhunderts wie die meisten, die Deutschen demütigten den kleinen Nachbarn im 2. Weltkrieg, die Wirtschaftskraft soff in den vergangenen Jahrzehnten auf Mittelmaß ab. Alles harter Tobak. Und dann ist da noch ein viel zu potenter Nachbar mit seinem Wirtschaftswunder, der sowas von überheblich rüberkommt …


Aber es kommt noch schlimmer. Nach vielen Jahren der Ausbeutung einer riesigen Gasblase unter den Polderfeldern und deren physisches Ende wird’s nun erheblich teurer, die riesigen Gewächshäuser für die roten Wasserbomben - fälschlich Tomaten genannt - zu beheizen. Und da das noch nicht reicht, kommen seit einiger Zeit unerwünschte Lieferungen von natürlichen und synthetischen Suchtmitteln via Rotterdam ins Land und machen die Niederlande zu einem Schlachtfeld von konkurrierenden Drogenbaronen.


Eine der Folgen ist der politische Siegeszug des rassistischen und nationalistischen Demagogen Geert Wilders und seiner unappetitlichen ‚Partij voor de Vrijheid‘. Wie auch in vielen anderen europäischen Ländern, erhebt die schmutzige Fratze des Faschismus auch hier im Land von Antje, Käse und Windmühlen. Die Gesellschaft ist gespalten, die Parteien kunterbunt, der Gemeinsinn am Ende.


Auch wirtschaftlich ging einige schief in der jüngeren Vergangenheit, Beispiel Philips. Einst weltweiter Marktführer in vielen Elektronik-Bereichen, ist heute nur noch der Name existent, man hat neue Entwicklungen konsequent verschlafen. Godverdomme.


Besonders schmerzlich ist dabei auch die kalvinistische Grundüberzeugung, Gott zeigt seine Anerkennung und Zuneigung, indem er seinen Lieblingen auf Erden Reichtum und Wohlstand beschert. Damit gilt natürlich auch das Gegenteil, und das motiviert nicht gerade. Dabei kann man doch auf so vieles stolz sein. Zum Beispiel auf den Begriff des Yankees. Das bedeutete einstmals ‚Jan Cheese‘, ein Nickname für die hollandstämmigen US-Amerikaner rund um Neu-Amsterdam, heute New York genannt.


Weitere Beispiele? Gerne: Die Niederlande haben den Hagelschlag erfunden - kleine bunte Zuckerkugeln als Belag auf das Margarine-Brot; hier gibt es mehr Fahrräder als Einwohner; man hat mit Holland und den Niederlanden zwei Ländernamen ohne Grund; man war das erste Land, das den Verkauf von Cannabis in Coffieshops legalisierte. Und man hat den ersten Börsencrash der Menschheitsgeschichte hingelegt durch eine gigantische Hausse von - Tulpenzwiebeln.


Kein Scherz.


 
 
 

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