Betrifft: Männer
- georgunbehaun
- May 20, 2023
- 3 min read

Ich habe seit einiger Zeit eine Glühbirne auf der Fensterbank stehen, die hatte ich mir selber geschenkt. Das faszinierende: sie schwebt. Einfach so. Nichts hält sie in ihrer Position, außer ein ausgeklügeltes Magnetismus-System. Aber wenn es nur das wäre: sie dreht sich auch noch. Und ob man es glaubt oder nicht: wenn man den Lichtschalter betätigt, dann glüht die Glühbirne – ohne irgendein Kabel oder sonstige Verbindung. Meine Frau meint: Hm, ja – eine Glühbirne, Das ist der Grund, warum nur ganz wenige Frauen verstehen, dass wir Männer etwas Einmaliges sind.
Normalerweise sind Männer überhaupt nicht anstrengend, im Gegenteil. Ein bisschen Alkohol, Fußball schauen und äußere weibliche Geschlechtsorgane betrachten, und 9 von 10 Männern sind ruhig gestellt. Die letzten zehn Prozent sind dafür umso stressiger.
Diese Männer sind zweibeinige meist aufrecht gehende Wesen, die in der Lage sind, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun. Und zwar gerne eine Sache, die keinerlei positiven Beitrag für die Entwicklung der Menschheitsgeschichte bringen wird, wie zum Beispiel Modelleisenbahnen oder getunte Sportwagen oder Taubenzucht oder Krafttraining.
Solch eine Eigenart kann eigenartige Formen annehmen. Und ihren Opfern eine Unmenge an Lebenszeit kosten. Ich nenne diese Ausformung männlicher Spezies die sogenannten Nackler, weil sie dauernd an irgendetwas herumnackeln.
Wie viele endlose Wochenendnachmittage habe ich damit verbracht, meinen Pseudo-Schwiegervätern - moralisch gezwungenermaßen - beim Wechsel meiner Reifen zuzuschauen. Was heute in der Werkstatt in schlappen 10 Minuten erledigt ist, konnte da schon einige endlos lange Stunden In Anspruch nehmen. Man glaubt ja gar nicht, wie viel intensive Pflege jede einzelne Schraube braucht, bis sie wieder da sitzen darf, wo sie hingehört. Das nenne ich puren Metall-Fetischismus.
Mein Vater war auch so ein Vertreter dieser Gattung. Ich erinnere mich noch sehr gut an den Tag, den ich mit ihm verbringen durfte, kurz nach meinem Geburtstag. Er hatte mir einen Flugzeug-Modellbausatz geschenkt, toll. Und dann baute er ihn zusammen, ohne meine angebotene Hilfe. Nach vier Stunden hatte er mir dann das perfekt gebastelte Ergebnis stolz in die Hände gedrückt - und ich musste mich freuen.
Ich bin dann am nächsten Tag raus und habe ihn in die Luft geworfen. Er ist aufgestiegen, trudelte, ist senkrecht abgestürzt und hat sich damit wieder in seine ursprünglichen Einzelteile zerlegt. Meine Trauer darüber war recht überschaubar.
Ich hatte mal einen Kollegen, einen echten Nerd. Als ich um 8 Uhr morgens ins Büro kam, saß er an seinem Computer. Ich fragte ihn zum Scherz, ob er denn hier die Nacht verbracht hätte, was er zu meinem Erstaunen bestätigte. Der Grund: Er hatte 160 Schriftarten auf seine Unix-Maschine geladen. Auf meine Frage, wozu er das getan hatte, schaute er mich völlig verständnislos an.
Das meinte ich. Man kann es Zeitverschwendung nennen. Ist es wohl auch. Im Radio kam mal eine Reportage über einen ehemaligen Schaffner, der als Rentner-Hobby Aufnahmen sammelte von Durchsagen in Bahnhöfen aus aller Welt. Ganz stolz war er über einen völlig unverständlichen Mitschnitt aus dem Bahnhof von - Wladiwostok. Auf die Frage, wo er denn die herhabe, meinte er verschmitzt: „Man hat eben so seine beruflichen Beziehungen.“ Oh mann.
Aber am anstrengendsten sind die Kleinen unter den Männern. Von denen sang schon Randy Newman zu Recht, dass sie überflüssig sind, fiepsige Stimmen haben und überall Lügen verbreiten. Ich weiß, von was ich spreche, denn ich hatte zwei Chefs, die kaum über die Tischkante schauen konnten.
Das sind die unvermeidlichen A-Dabeis (für nicht-Bayern: die auch-dabei-Seienden), die Wusler, die sich einen Wolf labern, meist ausschließlich über sich, die um 3 Uhr morgens fragen: „Und? Noch einen Absacker?“, die viel zu große Autos fahren und immer aufgedreht fröhlich sind. Eine echte Plage. Meistens können sie ganz toll tanzen. Na prima.
Letzte nervige männliche Abart sind die ganz G’scheiten, die Wichtigtuer, die Selbstgerechten. Das sind die Frührentner am Fenster mit Kissen als Auflage, damit der Fensterrahmen nicht so drückt, und die friedliche Falschparker per Anzeige kriminalisieren.
Aber eigentlich hat Herbert Grönemeyer Recht: Männer haben‘s schwer, nehmen‘s leicht. Sie sind an sich gutartig und pflegeleicht, wenn sie nicht gerade aufsässige Ehefrauen verprügeln oder auch mal Kriege anzetteln.
Der Mann ist nicht zu verstehen ohne sein Alter Ego, der sogenannten Frau. Deren Verhältnis zueinander - oder gegeneinander - ist wie folgt definiert:
Schlauer Mann + schlaue Frau = Romanze
Schlauer Mann + dumme Frau = Affäre
Dummer Mann + dumme Frau = Schwangerschaft
Dummer Mann + schlaue Frau = Shopping.



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