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Betrifft: Japaner


Vor Corona konnte ich mich tierisch aufregen über Asiaten mit Mundschutz. Ich dachte, sie seien der Überzeugung, im alten Europa wimmelt es nur so vor bösartigen Viren und schädlichen Bakterien. Ich wusste nicht, dass - ganz im Gegenteil - die Besucher ihre Besuchten vor ihren eigenen Krankheitserreger schützen wollten. So sind sie eben, die Asiaten. Und vor allem die asiatischen Preußen aus dem Land der aufgehenden Sonne. EIn Psychogramm.


Was dem Mitteleuropäer als erstes auffällt: eine selbstverständliche Disziplin im Alltag: bei rot bleiben alle stehen, am Zebrastreifen wartet jedes Auto geduldig, man steht brav in einer Reihe an, niemand schubst oder drängelt. Und wenn dann doch mal jemand die Regeln bricht und es wagt, bei Rot die Straße zu queren, dann machen es wieder alle nach.


Japaner sehen alle gleich aus? Von wegen: hier tummeln sich demografisch alle Ethnien Asiens, vereint in Respekt und Rücksicht. Selbst der Fahrstuhl-Einweiser macht eine tiefe Verbeugung beim Schließen der Türen. Hier scheint überhaupt jeder seine berufliche Tätigkeit so ernst zu nehmen, als ob davon das Überleben der Nation abhängt. Hier verhält sich der Einweiser bei der Seilbahn wie ein Ground Supervisor - und schaut bei jeder Gondel, ob sie denn in das Seil greift. Wenn das geklappt hat (und das klappt natürlich immer), dann hebt er kurz den Daumen. Und das hundertemal pro Tag.


Man ist einfach 100% verantwortungsbewusst und tut sein Bestes. Es gibt dieses schöne Beispiel des Tokyoter Hundes namens Hachiko, der jeden Tag, den der Herr werden ließ, sein Herrchen am Bahnhof Shibuya abholte. Bis Herrchen eines Tages den Löffel abgab. Das hinterte den Wuffi nicht daran, jeden Tag wieder zu kommen, bei jedem Wetter - bis auch er das Zeitliche segnete. Ihm haben die Tokyoter ein Denkmal gesetzt.


Anderes schönes Beispiel: der Leutnant Hiroo Onoda, der sich sage und schreibe 30 Jahre bis nach Ende des Zweiten Weltkriegs im philippischen Bergland versteckte, um für den Kaiser Hirohito zu kämpfen. Ihm hatte dummerweise niemand glaubhaft machen können, dass der Krieg zu Ende gegeangen sei. Man konnte den braven Soldaten dann nur dadurch überzeugen, ihn nun auch für sich zu beenden, indem man einen pensionierten General bat, ihm zu befehlen, nach Hause zu gehen.

Höflichkeit und Freundlichkeit findet man überall. Man setzt nicht auf Gesetze, sondern auf das Einhalten von Regeln, und das funktioniert hier hervorragend. Währen der Corona-Pandemie bat man die Bevölkerung, doch bitte die Kontakte zu reduzieren und Masken zu tragen. Das haben alle, wirklich alle befolgt. Ganz ohne Gemaule oder Querdenker-Demos. Warum? Weil man es eben so macht. Manchmal wünschte ich mir, wir wären alle Japaner.


Völlig eigen sind die Taxifahrer - wie überall auf der Welt. Hier sind sie meist weit über die 50 Jahre, verstehen kein Wort englisch, haben eine Uniform an mit Weste und Krawatte. Auf dem Kopf tragen sie eine Art Kapitänsmütze wie Käptn Iglo und bringen einen mit Sicherheit immer auf dem besten Weg zum Ziel - hier bewirkt der Google Translator wahre Wunder. Die Sitzflächen haben einen weißen gehäkelten Überzug - warum auch immer.

Noch ein wenig sinnfreies Trivialwissen über Japan? Gerne: Ein aktiver Vulkan auf Hokkaido hat den orginellen Namen E, und eine Stadt auf Kyushu heißt Mitsuhashimachishimohyakucho.

Mehr braucht man echt nicht zu wissen.

 
 
 

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