Betrifft: Japan (2/2)
- georgunbehaun
- Oct 7, 2023
- 2 min read
Updated: Oct 10, 2023

In Asien habe ich gelernt, dass man sich im Leben stets auf das Wesentliche konzentrieren sollte. Auf das Essen. Ob in Thailand, Vietnam, Singapur oder Indonesien: überall ist die Nahrungsaufnahme zentrales Element im täglichen Dasein. Dem setzt Japan eine kulinarische Krone auf.
Kurz gesagt: die japanische Küche ist ein Traum! Jeder mittelgroße Bahnhof, jedes durchschnittliche Einkaufszentrum ist ein Delikatessladen: kleine kulinarische Schweinereien aus Fisch oder anderen Meerestieren, rass eingelegtes Gemüse, feinste Gewürze, zartes Fleisch in roh oder gegrillt - und alles raffiniert gewürzt und behutsam geschmacklich aufeinander abgestimmt.
Für die Zugfahrt gibt‘s eine Bento-Box mit all diesen Leckereien in einem, deren Qualität sich locker mit einem Essen bei einem deutschen Top-Asiaten messen kann. Nur nicht im Preis: Die Box gibt’s für unter zehn Euro - dank der kürzlich durchgezogenen Yen-Abwertung von über 35 Prozent ist Japan überhaupt ein recht günstiges Reiseland geworden.
Gegen den spontanen Hunger oder Durst gibt’s überall und immer Abhilfe: in jeder Straße stehen Getränkeautomaten und viele der zahlreichen Lebensmittel-Läden wie FamilyMart, Lawson oder SevenEleven haben rund um die Uhr geöffnet. Niemand verhungert oder verdurstet im Land der Feinschmecker. Und trotzdem sieht man erstaunlicherweise kaum übergewichtige Menschen - mal abgesehen von den Touristen.
Geistige Getränke sind meistens sanft, aber fein: ob der weiche Suntory Whiskey, der an guten holländischen Genever erinnernden Barley Shochu oder das süffige Asahi Bier. Es muss ja nicht unbedingt ein muffifer Saki sein. Nach einem Schluck kann es allerdings passieren, dass man gefragt wird, ob man denn vorhabe, heute noch Auto zu fahren. Und das einen gestandenen Bayern.
Die historischen Gebäude des Inselreichs sind lebende Geschichte und faszinierende Welten in einem. Shinto-Schreine bewachen farbenfrohe Tempel, machtvolle Burgen der Samurais schützen die wichtigsten Hauptrouten des Handels. Und die japanischen Gärten verbinden landschaftliche Schönheit mit einfühlsamer Architektur.
Ansonsten ist japanische Baukunst ein ziemlich trauriges Kapitel. Mal abgesehen von der modernen Skyline Tokyos ist Häuserbauen hierzulande eine triste Übung in weiß, beige, braun und grau. Alles rechtwinklig, dröge und fantasielos. Und so sieht jede Stadt aus wie die andere: quadratisch, praktisch, öde. Daher kann ich heute besser verstehen, warum die japanische Filmheld-Riesenechse Godzilla bei ihren Kämpfen gegen Ghidorah in Gestalt von Mechagodzilla auf den Japsen-Städten so rumtrampeln durfte. Der Verlust ist absolut überschaubar.
Stichwort Medien: Fernsehen ist in Japan eine optische und akustische Zumutung. Brabbelnde ältere Männer labern erkennbar Belangloses (das kann man auch ohne Sprachkenntnisse mühelos erkennen) mit quietschenden weiblichen Teenagern in Barbie-Kostümen. Oder ein Trupp martialisch gewandeter Freizeit-Rambos und Rambosinen ballern mit Farbgeschossen auf andere hampelnde Irre in Vodoo-Kostümen. Dabei ist der Bildschirm laufend von Schriftbändern und comicartigen Einblendungen bevölkert. Und weil das noch nicht reicht, ertönen dauernd Geräusch-Jingles, die an Stummfilm-Untermalungen erinnern. Ein Graus.
Möchte man in so einem durchgeknallten Land auf Dauer leben? Wahrscheinlich nicht, die Disziplin ist für Leute wie mich, die von 68ern in die Welt geschickt wurden, wohl doch zu anstrengend. Und Züge, die immer pünktlich sind, wären mittelfristig auch öde - wo bleibt da die Spannung des Ungewissen?
Aber für eine längere Zeit als nur Urlaub bietet Japan eine Menge: faszinierende Natur,, bewegende Geschichte, innovative Kunst, unbeschreiblich gutes Essen und nette, höfliche Menschen überall - über die im nächsten Blog mehr.
Darauf einen kräftigen Shochu: „Kanpai!“



Servus Schorsch. Stimme Dir wie ueblich zu, nur ….. auf Dauer leben ja fuer mich kein Problem. Nach 7 Jahren Tokio wuerde ich jederzeit mit Famile wieder zurueckkehren