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Betrifft: Jahresrückblicke


Woran merkt man, dass sich ein Jahr langsam dem wohlverdienten Ende zuneigt? An den Jahresrückblicken. Aufgereiht an Monaten, läuft das erfolgreich Verdrängte wie ein Film am reizüberfluteten Hirn vorbei. An sich sind sie wie eine fade Suppe, die nochmal aufgekocht und mit Maggi nachgewürzt wurde. Guten Appetit.


Jahresrückblicke sind was für alte oder sich alt fühlende Menschen. Wer interessiert sich denn sonst dafür, wer sich in den letzten zwölf Monaten megamäßig blamiert oder den Löffel abgegeben hat? Welche Naturkatastrophen oder Kriege unseren Planeten erschüttert haben. Oder welcher Sommer-Smash-Hit uns erfolgreich auditiv gequält hat?

Aus diesem medialen Recycling-Material kann man ganze Samstagabend-Shows verbrechen, mit vielen Live-Acts des Abgekauten - wie öde. Es ist ein wenig wie das Durchblättern von vergilbten Fotoalben bei Omi zu Weihnachten. Nur ohne den ekligen Pfefferminz-Tee und den steingewordenen Keksen.


Manchmal ist das Leben ja nur durch proaktive Verdrängung erträglich. Und dann kommen diese "Das war Dein Jahr"-Sendungen um die Ecke - und schon realisiert man wieder, dass die Apokalypse sich wieder ein wenig näher gerobbt hat.


Das ist sowas von deutsch: miese Headlines ohne erkennbaren Ausweg sind Quotenhengste, ob Klimaerwärmung, Killerviren oder Atomkrieg. Und wenn das alles nicht mehr zieht, kommt sicher wieder ein Meteor um die himmlische Ecke, um uns endlich zu vernichten. Langsam wird's langweilig.

Aber vielleicht stimmt das alles ja nicht. Mal andersrum argumentiert: Jahresrückblicke sind Ruheplätze in unserer hektischen Alltags-Banalität, nachdenkliche Marksteine in einer medial verhetzten Parallelwelt, kleine Oasen im weltpolitischen Chaos unserer verunsicherten Epoche.

Ist es nicht schön, sich verstorbener Persönlichkeiten zu memorieren, die einen durch die vergangenen Jahrzehnte medial begleitet haben? Welche sportlichen Highlights einen begeistert oder enttäuscht haben? Oder sich nochmals daran erinnern, wie man in der sommerlichen Hitzewelle im schattigen Biergarten rekonvaleszierte?

Keine Ahnung. Mag sein. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Bin mir nicht sicher. Ich tendiere zu ersterem. Ich habe nach solchen Sendungen immer einen faden Geschmack im Mund.

Mal sehen, wie‘s dieses Jahr läuft.

 
 
 

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