Betrifft: Haare
- georgunbehaun
- Aug 12, 2023
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Frage: Was haben Haare mit der Polizei zu tun? Antwort: Man findet sie meist da, wo man sie nicht braucht und nicht da, wo man sie haben will. Sie sprießen und wuchern, können trocken, strähnig oder fettig sein, werden splissig, spalten sich manchmal sogar und werden mit der Zeit grau und dann weiß, bis sie schließlich für immer das Haarfollikel verlassen. Über absolut sinnlose Hornfäden.
Um kaum ein anderes Körperprodukt wird so ein Tamtam gemacht wie um die Keratin-Masse, die einem überall aus der Haut fährt. Ganze Industrien und Wissenschaftszweige widmen sich den menschlichen Tentakeln. Bei L‘Oréal steht beispielsweise der schöne Satz: „Wir sind ein Pionier auf dem Gebiet der Beauty Tech. Für uns sind Kosmetik und Technologie untrennbar miteinander verbunden.“ Ist das nicht schön? Wir fliegen nicht nur zum Mond, wir können auch aus der organischen Kopfmatte ein Produkt der Hochtechnologie machen.
Haare kleben an der Kleidung, verfangen sich im Badewannen-Abfluss, verstopfen den Staubsauger und pappen elektrostatisch am Fernseher. Sie schwimmen in der Gemüsesuppe, man zieht sie aus der belegten Semmel und sie stinken abscheulich, wenn man sie entflammt. Sie hören nicht auf zu wachsen und sichern damit dauerhaft den Unterhalt der scherenschwingenden Zunft.
Haare sind auch ein wertvoller Beitrag zur deutschen Sprache. Da gibt es die Haarspalterei, man kann haargenau und haarklein berichten, schwierige Situationen sind haarig und alte Schrullen sind verzopft. Unfälle passieren um ein Haar und unpassende Bemerkungen kann sich der Bemerkende in die Haare schmieren.
Meine Haar-Geschichte begann so mit zehn Jahren, als ich mich weigerte, mir meine Haare schneiden zu lassen. Es war die androgyne Phase, in der sogenannte Männer mit hinternlangen Rollkragen-Pullovern und Hüftgürtel daherkamen - und natürlich mit langen Haaren. Gefiel meinem Vater gar nicht, er wollte mich in Georgina umbenennen.
Dann, nach der Pubertät, beschloss mein Haupthaar spontan, sich mehrheitlich von mir zu verabschieden. Zeitgleich kam die Bundeswehr daher und stutze den kläglichen Rest auf Zahnbürstenlänge. Seitdem habe ich das Thema für mich entpriorisiert. Ist nicht mehr so wichtig. Kann ich mir sparen.
Mittlerweile muss ich mich mehr um altersbedingte Auswüchse kümmern: haarsträubende Entwicklungen an Stellen, wo es sowas von überflüssig ist, von einer Haarpracht geziert zu werden. Ob am Rücken, in der Nase oder in den Ohren - es sprießt der Pelz wie Unkraut. Und wenn man ihn auszupft, tut er weh - vor allem im Rüssel. Völlig spaßbefreit.
Wissenswertes über lat. pilius: es ist 0,7 Millimeter dick und meidet Handflächen, Fingerinnenseiten, Fußsohlen, Brustwarzen und Lippenrot. Außerdem sind Schleimhäute komplett haarbefreit.
Haben‘s die gut!



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