Betrifft: Guadeloupe
- georgunbehaun
- Nov 11, 2023
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Oh, die Karibik - endlose weiße Sandstrände, dauernd bietet einem jemand einen coolen Drunk an, alles wabert im Reggae-Rhythmus, Piratenschätze warten auf ihre Entdeckung und wunderschöne Mädels prosten einem lächend mit ihrem Rumglas zu. Alles Blödsinn: Die Karibik ist ein überteuerter Flecken Erde, der irgendwo zwischen Touri-Nepp und Industrie-Brache in den Wellen schaukelt. Da macht Guadeloupe keine Ausnahme - naja, ein wenig schon.
Hier kloppten sich jahrhundertelang alle Länder, die sich als Kolonialisten aufspielten: die Holländer, die Portugiesen, die Engländer - und natürlich auch die Franzosen. Heute ist die Doppelinsel und ihr Archipel eines der drei französischen Übersee-Departements, und damit Teil der Europäischen Union. Das vereinfacht so manches. Und die typische mittelamerikanische Kriminalität findet hier auch nicht statt.
Ein hoher Anteil an Schwarzen in der Bevölkerung bezeugt heute noch, wie die Landbesitzer in der Kolonial-Ära stinkreich wurden durch Ausbeutung der aus Afrika verschleppten Sklaven, die auf den Zuckerrohr- und Tabak-Plantagen schuften mussten. Wollte einer stiften gehen, gab’s beim ersten Versuch ein Ohr ab, beim zweiten einen Arm weg und beim dritten Versuch gleich das ganze Leben.
Guadeloupe ist nicht groß, hat aber eine vielseitige Natur, geprägt von bewaldeten Vulkanbergen und Urwald-Tälern voller bunter Pflanzen und Tieren. Ihre überschaubar großen Städte sind laut, stinkend, mit viel Beton und völlig frei von jeglichem Charme. Die meisten Leute sind nicht gerade freundlich, eher grummelig und schauen auch so miesepetrig drein.
Eine gute Charaktereigenschaft der Insulater ist ihr Rum, der es mit jedem Konkurrenten locker aufnehmen kann. Ihn gibt es klar mit 40% oder schwerer und ausgebaut mit bis zu 65 Prozent in allen möglichen Varianten, beispielsweise gereift in ehemaligen Bourbon- oder Cognac-Fässern. Da wackeln die Palmen ganz von selbst, auch außerhalb der Hurrikan-Saison im Herbst.
Ansonsten ist’s eben wie überall auf den westindischen Inseln: alles etwas abgeliebt, g’schlampert und lieblos. Mit einer Ausnahme: Man findet hier keinen einzigen fetten Luxusschuppen am abgesperrten Sandstrand, alle Hotelanlagen sind eher Mittelklasse und finanzierbar. Und was hier oben drauf kommt: französische Lebensart - fantastisches Essen und Trinken, alles wird nicht zu ernst genommen. man nimmt das Leben, wie es eben gerade daherkommt.
Doch nicht soooo schlecht …



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