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Betrifft: Gerechtigkeit


Wenn mir mal nichts anderes einfällt, dann denke Ich mir so: Was denkt sich wohl ein Kieselstein am Meeresufer, der von einem Strandbesucher aufgehoben wird? Ich denke mal, er denkt: ausgerechnet ich, und kein anderer - ich bin auserwählt! Und wenn es ein recht eingebildeter Kieselstein ist, denkt er vielleicht auch noch: Das habe ich sicher irgendwie verdient. Und alle anderen Steine sind neidisch. Dabei war es doch nur Zufall - oder Schicksal? Es ist nicht einfach mit der Gerechtigkeit.


So sind wir auch ein wenig wie dieser dämliche Kieselstein: Wir leben in einer der reichsten Gegenden dieses Planeten und glauben oftmals, es sei unser Verdienst. Und trotzdem empfinden wir unser Schicksal oftmals als nicht gerecht.


Schließlich gibt es immer Luft nach oben. Zum Beispiel den Angeber mit seinem lila Porsche. Lila. So ein Prolet. Oder die hübsche Kollegin, bei der sich die Männer den Hals verdrehen. Dabei kann die doofe Pute kaum unfallfrei geradeaus laufen. Und außerdem hat sie eine albernde Quiekstimme. Komisch, dass das den Männern nicht auffällt.


Die Todsünde Neid ist die häßliche Schwester der Gerechtigkeit. Die SPD hatte einmal den Wahlkampf-Slogan gebiert: Innovation und Gerechtigkeit. Na toll. Das ist so logisch wie: Kreativität und Kartoffelsalat. Oder: Achtsamkeit und Gleitcreme. In dieser Hinsicht ist die alte Sozen-Tante sowas von typisch deutsch.


Denn Gerechtigkeit ist im Land der Richter und Stänker oberste Richtschnur jeglicher sozialer Deutungshoheit. Und das Gesetzbuch wird zur Bibel als moralische Instanz. Ungleichheit tut weh, wenn sie in der Nachbarschaft passiert - vor allem in der deutschen.


Und wenn einer mal ausschert und es wagt, sich über die anderen zu stellen, dann freut man sich diebisch, wenn er irgendwann vom hohen Thron gestoßen wird und die Gerechtigkeit siegt. Beziehungsweise der Neid. Boris, Du hechtender Erfinder der Becker-Rolle, Du weißt, worüber ich spreche.


Was ist Gerechtigkeit? Wenn alle das gleiche Schicksal erleiden? Wenn alle Kuchenstücke gleich groß sind? Wenn der Döner überall 4,50 Euro kostet? Gleichheit ist öde. Das beweist das tägliche immer gleiche Gedudel im Radio. Aber völlige Gleichheit gibt’s gar nicht. Kein anderer hat so eine einzigartige Nase wie die meine. Einfach, weil nur ich ich bin. Es ist sinnlos, jemand anderes sein zu wollen. Und trotzdem verdienen sich nervige Influencer täglich dumm und dämlich daran. Die Welt spinnt.


Außerdem: Der Neid hat meistens überhaupt kein Recht zum Dasein. Denn die Reichen und die Schönen dieser Welt sind meist nicht das, was man vermuten würde: glücklich. Der Zukunftsforscher Matthias Horx hat einmal untersucht, wie lange man euphorisch ist, wenn das Glück in Form eines Vermögens vorbeischaut. Ganze drei Monate. Danach ist man der gleiche Stinkstiefel oder Langweiler oder Zehnkämpfer wie vorher. Für Neid ist da gar kein Grund.


Mal ehrlich: Will man denn wirklich mit den Berühmten und Wohlhabenden dieser Erde tauschen? Mit dem Schwachkopf Elon Musk? Mit dem zaudernden Scholzomat? Oder dem sprechenden Hintern Kim Kardashian? Ist doch nur peinlich, dann lieber fremdschämen als selber schämen. Meine Meinung.


Wenn ich mit dem Fahrrad um den Starnberger See radle und die Millionen-Villas an mir vorbei rauschen, dann denke ich mir: Bei den Insassen ist sicher auch nicht alles in Butter und Petrolium. Vielleicht hat der stinkreiche Immobilien-Mogul ja nässende Hämorrhoiden oder vielleicht eine böse Schwiegermutter. Oder beides. Ich meinerseits habe ein gesundes Gesäß und eine ganz liebe Schwiegermama. Warum also tauschen?


Nein, das wäre einfach nicht gerecht.




Schoschens Welt nun auch auf YouTube.


 
 
 

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