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Betrifft: Geheimnummern


Es gibt viele böse Menschen, nicht nur beim Russen oder in der AfD, sondern auch im Internet: lauter Strauchdiebe, Halsabschneider und Handtaschenräuber. Daher muss man sich hübsch schützen, damit man nicht plötzlich eine Rechnung über 37 Waschmaschinen bekommt. Die Zauberwörter lauten: Username und Passwort. Und dieses Passwort besteht häufig aus einer wirren Abfolge von Zahlen, Buchstaben und Sonderzeichen. Die sich kein Schwein merken kann.

Am Anfang war die Cyberwelt noch überschaubar. Sicherheitscode? Ganz einfach - zum Beispiel: 1234. Oder 9999. Na ja, nicht wirklich raffiniert. Also dann eben sechsstellige Nummern, zum Beispiel das Geburtsdatum der Erbtante - oder ein Wort? Zum Beispiel der peinliche Kosename des Lebensabschnittsgefährten oder der Name des Zwergkarnickels der Tochter.

Aber die bösen Menschen sind nicht auch noch dämlich. Und mit einer halbwegs intelligenten Software werden 99,9999% solcher Passwörter geknackt. Na, dann doch vielleicht der Code, den einem der Apple-Computer vorschlägt: s¢TR5yQ§78&. Aber: Da gibt’s keine Eselsbrücke auf dem ganzen Planeten, mit der man sich den Salat merken kann - ein Zeichen-Gewöll. das aussieht wie das Ergebnis, wenn jemand die Tastatur gereinigt hat.


Aufschreiben? Gute Idee, am besten gleich im Handy, damit die bösen Menschen weniger Arbeit haben. Ganz orginell: Die Daten im Adressverzeichnis zu verstecken. Kennt keine Betrugssoftware, diese raffinierte Camouflage. Und schwupps, ist man Besitzer einer fünfköpfigen Kamelfamilie geworden, die nun direkt vor Ort im Südjemen zur Abholung bereit steht.


Aber es gibt Rettung: Fingerabdruck oder - noch besser - die automatische Gesichtserkennung. Echt praktisch, die Face Recognition. Ich kenne nur eine Person, die damit jemals Probleme hatte, und das war meine Tochter nach ihrer Nasenoperation. Das scheint echt zu funktionieren. Ich habe eh genug zu tun mit meinen 47 Usernames und Passwörtern. Die schreibe ich dann in Listen auf, die ich nie dabei habe und dann drei Fehlversuche starte, um anschließend gesperrt zu sein.

Aber da helfen einem die Online-Service-Hotlines, wenn es denn solche gibt. Man bekommt aber erst über eine Künstliche Intelligenz unendlich viele Fragen gestellt, die man nur teilweise versteht. Und wenn man dann endlich einen Experten an der Strippe hat, fühlt man sich wie ein komplett verblödeter Dummy, während einen die neunmalkluge Angeberstimme verbal über die Straße führt.


'Brauchst Dir gar nix groß einbilden drauf. Ich könnte auch so supergescheit über das öde Thema daherreden, wenn ich den ganzen Tag immer die gleichen blöden Fragen beantworten müsste. Muss ich aber nicht, daher frage ich eben auch so blöd.'

Ach, früher was alles besser: Da ging man völlig analog in seine persönliche Bankfiliale, dort stand ein pickeliger spirreliger Bankkaufmann-Lehrling mit falsch sitzendem Anzug und Mickeymaus-Krawatte, begrüßte einen noch beim Namen. Dem sagte man, was man wollte, er meinte: „Selbstverständlich, Herr Unbehaun, wird sofort erledigt - kann ich sonst noch etwas für Sie tun.“ Und man sagte: „Nein, danke, sehr freundlich!“ und dann ging mit einem zufriedenen Lächeln man wieder hinaus. Ganz ohne Username, Passwort, Fingerabdruck oder Gesichtserkennung. Wie banal.

Na denn: Es lebe der technische Fortschritt …



 
 
 

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