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Betrifft: Gedächtnis


Der lebensmüde amerikanische Poet Edgar Allen Poe meinte einmal: „Alles was wir sehen oder zu sehen scheinen, ist nichts als ein Traum in einem Traum.“ Ich finde, er hat Recht. Die ganze Welt tut immer so, als sei sie rational und real, aber das ist Quatsch. Und der größte Lügner sitzt zwischen unseren Ohren. Über das Gedächtnis.


Ich kann das verlogene Organ ja durchaus verstehen: Was da täglich durch die verschiedenen sensitiven Öffnungen auf es einprasselt, ist schon recht schwer zu verdauen: lautes Werbe-Tralala, öde Politikerreden, nerviger Dudelfunk, und dann die ganzen moralischen Vorträge des Lebensabschnittsgefährten in der Dauerschleife.

Da kommt ganz schön was zusammen, ein großer Müllhaufen ohne Mülltrennung. Mann mann mann, was sich da in den Jahrzehnten so alles ansammelt: tolle und üble Gerüche, überflüssige Texte, komische Eindrücke, Telefonnummern, die es nicht mehr gibt …


Aber woher sollte das Gehirn denn wissen, was es wert ist, ins Gedächtnis verschoben zu werden und was nicht. Das Dumme ist, dass das Gehirn dumm ist, anders kann ich es nicht erklären. 089-618362. Das ist die Nummer meiner Wohnung in Fasanenpark, die ich vor nun mehr als 40 Jahren verlassen habe. Danke auch, Gedächtnis.

Und so gibt es eine endlose Reihe an nutzlosen Erinnerungen, die wie gesagt gänzlich nutzlos sind. Zum Beispiel hat mal ein Kollege vor vielen Jahren beiläufig erwähnt, dass er enttäuscht ist, dass man bisher keine vernünftige Lösung erfunden hat, wie man einen Dongle für das automatische Öffnen eines Garagentors am Schlüsselbund befestigt. Und heute fällt es mir jedesmal ein, wenn ich mit meinem Dongle die Schranke meiner Firma öffne - und bei der Ausfahrt wieder. Das nervt.

Anderes Beispiel gefällig? Wenn ich täglich meine Haare wasche, kommt mir der Satz in den Kopf: Bedeutet die Gebrauchsanweisung, man solle das Shampoo kurz einwirken lassen, dass man es nicht lange nutzen soll? Völlig blödsinnig, und doch kommt mir der Blödsinn jedesmal wieder in den Sinn.

Mein derzeitiger großer Stolz ist eine schwebende Glühbirne. Dummerweise kommt mir bei ihrem Anblick der klägliche Schlager-Alptraum der Neuen Deutschen Welle „Kleine Taschenlampe, brenn“ von einem Träller-Fuzzi namens Markus ins Gedächtnis, was meine naive Technikfreude stark beeinträchtigt.

Oder Fishermans Friend. Da kommt mir immer der Flachwitz in den Sinn, dass er gut für Straftäter ist, weil er nur leicht abführend ist. Bei der englischen Nationalhymne formt mein Hirn daraus: God shave the Queen - hahaha.

Wenn jemand einen Wahlspruch oder ein Motto anstimmt, äfft mein Hirn nach „… und auf eine friedliche Wiesn!“ Sinnfrei. Ich erinnere mich sinnloserweise, dass der Fußball-Nationalspieler Olaf Thon als Kind immer mit seinem Opa Duda in dessen Schalker Schrebergarten gekickt hat. Gut zu wissen.

Der Komiker Kayar Yana hat einmal in seiner Sendung ‚Was guckst Du?!‘ die Tagesschau veräppelt. In seinem Ausländer-Sprech faselt er von Tages-Guck statt Tagesschau. Und an was denke ich, wenn um 20 Uhr der Gong in der ARD ertönt?!

Der Fernsehkritik-Papst Oliver Kalkofe zog einmal eine stinklangweilige Eurovisions-Sendung durch den Kakao, moderiert von „… Jan schade-dass-mich-keiner-kennt Hofer.“ Der wurde dann Stammsprecher in der Tagesschau beziehungsweise Tages-Guck. Der ist jetzt zum Glück in Rente gegangen - der Mann, den mittlerweile fast jeder kennt. Die kleistrige Eselsbrücke ist also nicht nur lästig, sondern auch noch falsch. Merk Dir das, Kalki.

Und dann auch noch all die alten Werbesprüche: von Strahlerküssen, die besser schmecken; von Fakt, das den Grauschleier aus der Wäsche zielt; von Palmin, das die Fleischporen schließt, obwohl Fleisch gar keine Poren hat …

Wozu ich das eigentlich alles erzähle? Hab ich vergessen.


Schoschens Welt nun auch auf YouTube.


 
 
 

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