Betrifft: Gebrauchsanweisungen
- georgunbehaun
- Jul 22, 2022
- 2 min read

Vielleicht ist es ja nur das Alter, aber vielleicht auch nicht: Gebrauchsanweisungen werden in meinem Alltag von Tag zu Tag zu einer größeren Herausforderung. Ich denke, die Firmen bevorzugen mittlerweile Kunden, die in der Lage sind, 2-Punkt-Schriftgröße-Texte entziffern und verstehen zu können und die in ihrer deutschen Übersetzung oft eher erheiternde als erklärende Momente schaffen. Muss man sich das gefallen lassen? Ich fürchte, ich kenne die Antwort.
Das waren noch Zeiten, als man zu einem kleinen elektronischen Produkt ein fettes Buch bekam, mit vielen Bildern und Zeichnungen drin, Lesedauer rund zwei Wochen. Man tauchte ein in eine völlig unbekannte und oftmals unverständliche Buchstabenwelt, die sich kluge, aber kommunikativ andersbegabte Ingenieure in ihrer Freizeit ausgedacht hatten. Mit ganz neuen Wörtern, und Bezeichnungen, die dem geneigten Laien rein gar nichts sagten. Viele unschuldige Bäume mussten dafür ihr Leben lassen.
Dann kam das PDF-Format und sorgte dafür, dass sich die stinklangweiligen Texte nun am Handy oder PC nachlesen ließen. Das war zwar nicht kundenfreundlicher als der vorige Papierkrieg, hatte aber wenigstens umweltschonende Effekte. Doch auch das ist heute vorbei: Jetzt hat ein Manual-Autor die spannende Aufgabe, alle wichtigen Aspekte in maximal 4 Sätzen und 2 aussageschwangeren Grafiken auf 2 Quadratzentimeter zu verdichten, damit der ganze Krempel auf der Produktrückseite noch Platz findet. Erläuterungen bis zur Unkenntlichkeit. Deshalb muss ich nun dauernd Winz-Texte mit dem iPhone abfotografieren und dann auf DIN A Null hochziehen. Service-Wüste Internet, dankeschön.
Aber es gibt ja zum Glück: Youtube. Hier erläutern begeisterte wissende Wichtigtuer dem Rest der dumpen Technotrottel-Gemeinde in kleinen Filmchen, wie man den Kram auspackt, welchen unbekannten 7stelligen Code man wo eintippeln muss und wo denn der Aus-Knopf sitzt. Aber, bitte, das kann's doch nicht sein.
Ich denke, hier kann uns nur moderne Technologie wie beispielsweise Künstliche Intelligenz retten: Kleine Robots, die genau wissen, wie unzulänglich mein technisches Wissen ist und mich in Sachen Anleitung für ein Smartphone, einen Videorekorder oder einen Fotoapparat selbstständig mental über die Straße führen. Und dann die komplette Bedienung einfach in meinem Sinne übernehmen. Bis sie rausfinden, dass sie mich eigentlich dazu gar nicht brauchen und mir deshalb aus umweltschonenden Gründen den Hahn abdrehen ...
Ich überlege mir das Ganze nochmal.



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