Betrifft: Floskeln
- georgunbehaun
- Oct 8, 2022
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Zum richtigen Zeitpunkt die richtige Antwort geben - das kann auf die Dauer ganz schön anstrengend sein. Dafür hat der Liebe Gott die Floskeln erfunden: sprachliche Versatzstücke , die man abschlagen kann, ohne sich zu sehr zu blamieren und ohne dem kommunikationstechnisch Erbrochenem Sinn verleihen zu müssen. Geht ganz einfach.
Wenn sich einer übers Wetter beschwert, einfach den Dauerstandard zum besten geben: „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung“ und dann überlegen und beifallheischend in die Runde grienen. Was für ein originelles Bonmot.
Wenn einem keine vernünftige Abschiedsformel einfällt, dann tut es ein ‚Tschüssikowski‘ oder ‚Bis baldrian‘ oder ‚Tschö mit ö‘. Und wer sein Umfeld richtig kalt erwischen will, sagt ‚Auf Wiedersehen, bis zum nächsten Mal.‘ Denn darauf ist sicher niemand gefasst.
Floskeln sind oftmals nicht mehr als akustische Umweltverschmutzung. „Liebe Fahrgäste, unser Zug hat derzeit vierzig Minuten Verspätung. Sie verpassen deshalb alle Anschlussverbindungen.“
Und dann kommt‘s: „Wir danken für Ihr Verständnis.“ Wie bitte, was habe ich: Verständnis? Wusste ich gar nicht. Verständnis für organisierte Unfähigkeit? Wie kommen die drauf? Ich habe dafür alles mögliche, aber sicher kein Verständnis. ‚Sehr verehrte Deutsche Dödelbahn, ich werde versuchen, Euch wann immer ich kann zu meiden. Ich danke für Euer Verständnis.‘
Floskeln sind der Kitt oder der Sprengstoff jedes inter-humanoiden Austauschs. Männer entgehen gerne solchen völlig sinnbefreiten Zeitverschwendungen wie beziehungsbezogene Grundsatzdiskussionen, denn sie wissen von vorne herein, was bei rumkommt: rein gar nichts. Also schätzen sie Floskeln wie: ‚Wenn Du meinst, Schatz’ oder ‚Keine Sorge, Mausi, das wird schon wieder.‘ Auch geeignet: ‚Ich bin ganz bei Dir, mein Engel‘ oder ‚Jaja, das kann durchaus so sein, Liebes.‘
Ein guter Freund war es mal gründlich leid, dauernd die völlig blödsinnigen Äußerungen seiner weiblichen Klientel positiv kommentieren zu müssen oder sich mit abweichenden Äußerungen gehörig in die Nesseln zu setzen. Deshalb hatte er seine ganz eigene Floskel kreiert: „Das kann durchaus zutreffend sein, was Sie da so von sich geben, Verehrteste, aber ich sage Ihnen ganz ehrlich: Ich hab‘ da irgendwie kein gutes Gefühl dabei.“ Zieht immer.
Beim gegnerischen Geschlecht werden Floskeln eher als argumentative Streubomben eingesetzt, um die andere Seite aus der diskursbezogenen Deckung zu locken: ‚Du verstehst mich nicht‘ oder ‚Du willst mich einfach nicht verstehen’ oder ‚Darum geht‘s doch gar nicht.‘ Auch gut: ‚Hörst Du mir überhaupt zu?‘ oder ,Hast Du Dir eigentlich mal selber zugehört?‘
Wer redet, der schießt nicht? Ganz schön naiv, Frau Baerbock. Unsere russischen Freunde schießen sowas von scharf, wenn sie ihre übel riechenden Floskeln auf uns eröffnen. Und so flirrt das verbal Gehackte allerorten durch den vermüllten Äther und vergiftet unsere schon genug belastete Atmosphäre. Das ist nicht schön. Und deshalb höre ich auch jetzt sofort damit auf.
Also dann: Aus die Maus, Nikolaus. Au Reservoir. Bis spätersilie. Ciaocescu.



Ich komme nicht umhin ganz ehrlich zu sagen, weiter so😇