Betrifft: Faulheit
- georgunbehaun
- Feb 17, 2024
- 2 min read

Bitte dieses Bekenntnis unter keinen Umständen an meine Chefs oder meiner Gattin weitergeben: Ich werde zunehmend fauler. Bequemer. Eben ruhiger. Das ist halt das Alter. Bin einfach nicht mehr der Jüngste. Aber mal ganz ehrlich unter uns Gebetsschwestern: ich war schon immer tendenziell eher faul.
Meine Mutter meinte immer: „Man kann so faul sein, wie man will - man muss sich nur zu helfen wissen.“ Wie recht sie hatte. Faulheit ist die treibende Kraft hinter jeglicher Innovation. Sie macht unser aller Leben einfacher, bequemer, effizienter, weniger anstrengend. Beschleunigung aus Trägheit - das ist kein absurder Widerspruch, sondern das Geheimnis des menschlichen Fortschritts.
Schuld an dem Schlamassel der täglichen Fron war ja bekanntlich Eva, das Luder. Sie hat den armen Adam zum Äpfelfuttern verführt, woraufhin der Schöpfer des Himmels und der Erde so sauer wurde, dass wir seitdem unser täglich Brot im Schweiße unseres Angesichts verdienen müssen.
Blöd gelaufen. Aber zumindest gibt es heutzutage praktische Helfer im Alltag, die vermeiden, dass man beim Arbeiten Schwielen an den Pfoten oder einen feuchten Nacken bekommt. Selbst beim Autofahren muss man heutzutage gerade noch das Lenkrad festhalten, Gas und Bremse bedient die Bord-Elektronik. Ein- und aussteigen macht der Homo digitalis noch komplett autonom - noch.
Und so hat der Mensch des 21. Jahrhunderts mehr Zeit und Muße, sein Gehirn als Arbeitswerkzeug einzusetzen. Aber auch das kann ganz schön anstrengend werden. Faulheit kann da gut als Gegengewicht eingesetzt werden. Das kann man schon in der Schule lernen.
Durch selektives Schwänzen beispielsweise. Für mich waren diese erschwindelten Vormittage wie geschenkte Zeit. Die Konzentration war gerade hier sehr hoch: konsequentes Schauspielern als schwerkranker Bub und dann die alten Filme im Rahmen des österreichischen Vormittags-Fernsehprogramms für Schichtarbeiter. Tolle cineastische Werke durfte ich dort kennenlernen, wie zum Beispiel einen Austria-Science-Fiction-Film mit Josef Meinrad - was gibt’s Schöneres.
Gerade das Alter hilft in Sachen Faulheit, weil die zwangsläufig erworbene Erfahrung die eigene Effizienz in ungeahnte Höhen treiben kann. Zeitgleich geht der selbsterzeugte Erfolgsdruck runter dank des buddistischen Gleichmuts, der mit jedem Jahresring wächst.
Ins Deutsche übersetzt haben die buddhistische Weltanschauung die Jecken aus dem Rheinland: et rheinisch Jrundjesetz. Dessen erste 4 Artikel lauten: „“Et es wie et es.“; „Et kütt wie et kütt.“; „Et hätt noch emmer joot jejange“ und „Wat fott es, es fott“ Mit anderen Worten: „Akzeptiere, dass Du eh nichts ändern kannst.“
Wenn das kein Freifahrtschein für Faulheit ist.



Comments