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Betrifft: Fast Food



Ich bin ein echter Pionier der deutschen Fast-Food-Geschichte. Schließlich habe ich mir schon Ende der 70er Jahre in der ersten deutschen McDonalds-Filiale beim Big-Mac-Grillen die Pfoten verbrannt: in Obergiesing, gegenüber dem 60er Stadion. Sozusagen eine doppelte Herausforderung. Heute betrachte ich mich als geheilt.

Als pickliger Jungbürger liebte ich Fast Food, obwohl es damals noch gar nicht so genannt wurde. Das war irgendwas auf die Hand vom Imbissstand: die fette Wurst am Kölner Hauptbahnhof oder die Leberkäs-Semmel vor dem Fußballstadion. Ich erinnere mich noch an die Bushaltestelle in der Werinherstraße, bei der die Abluft von einem Hähnchengrill dauernd fettig und verwürzt herausdampfte. Das roch so unglaublich lecker, dass ich immer heftig einatmete und auf diese Art wahrscheinlich zugenommen hatte - ich schwöre.


Als FC-Bayern-Fan wackelte ich jedes zweite Wochenende ins Olympiastadion mit selbstgebastelter Fahne und rotem Trikot, um Gerd Müller und Franz Beckenbauer beim Balltanz zuzujubeln. Immer ganz wichtig: die Bockwurst mit Senf, der regelmäßig aufs Trikot tropfte.


Am 4. Dezember im Jahre des Herrn 1971 war es dann soweit: Die erste deutsche Mc-Donalds-Filiale wurde auf den Höhen von München-Giesing feierlich eröffnet. Und damit begann der Siegeszug von American Feeling und Styropor mit Geschmack. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich einmal im Winter in die Isar gesprungen war, nur, um mir damit einen Big Mac von sogenannten Freunden zu verdienen.

Noch zu Schulzeiten habe ich dann bei Ronald McDonald angeheuert: für fünf Mark fuffzig die Stunde habe ich mir meine Finger am Grill verbrannt und mich regelmäßig fast übergeben, wenn ich in einer Abfall-Presse die Mülltüten entsorgen musste, in einer Duftwelt von Ketchup, Senf und verfaultem Fleisch. Es hat sich echt gelohnt, denn danach ging mein Burger-Konsum radikal nach unten.

Ganz zu Ende mit meinem Hang zu Fast Food ging es im Heimatland der Schlabber-Semmeln: Ich hatte mir in einer Futterbude in Los Angeles einen Dr. Carls Junior Double Western Bacon Burger bestellt, der so schmeckte, wie er klang. Dazu eine Cola aus der Spritzpistole, versetzt mit chloriertem Leitungswasser. Mir war am nächsten Tag immer noch hundeelend zumute, war dafür aber komplett Fastfood-immun geworden.

Als mein Nachwuchs nachwuchs, kam es natürlich irgendwann zum ersten McDonalds-Besuch - und das Happy Meal mit billigem Plastikspielzeug made in China wurde zum erfolgreichen Anfütterungsobjekt. Es ging nicht um den Fraß, sondern um den Spiele-Ramsch, aber wir kauften natürlich zwangsweise jede Menge an Hähnchenabfällen, die man hier ‚Chicken McNuggets‘ nannte.

Aber auch ihr konnte ich zu einer Fast-Food-Abstinenz verhelfen: an einem sehr heißen Tag besuchte ich mit Töchterchen ein Firmenfest. Damals kamen gerade die Bubble Teas auf, eine pappsüße trinkbare Zumutung aus Korea, und McDonald’s hatte in ihren Cafés voll darauf gesetzt. Wir beschlossen also, uns das erste Mal solche Zuckerattacken zuzulegen und abends mit Mami auf der Terrasse zu genießen. Da es aber so heiß war, schmolz die Plörre schon beim Transport. Der künstliche Geschmack von süßem aufgewärmten Bubble Tea ist fantastisch: er ist sogar für den Geruchssinn ungenießbar.

Das war das letzte Mal, dass meine Tochter und ich eine Filiale der ‚Goldenen Möwe’ von innen gesehen haben.

Denn: McDonalds - wir lieben es - überhaupt nicht.


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