Betrifft: Deutschland
- georgunbehaun
- Aug 31, 2024
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Oh du Land der militanten Mülltrenner, der feuchtschrittigen Boliden-Erotiker, der tüftelnden Baumarkt-Fetischisten und stumpf-rhythmischen Kuschelrock-CD-Sammler. Du Paradies der selbsternannten Bundestrainer, Du Biotop der Handtuch-Liegen-Reservisten - Du gehst Deiner Umgebung ziemlich gehörig auf den Zeiger. Nun erst recht: Hiermit trete ich in den Club der bundesdeutschen Nörgler und Miesepeter ein. Ein Spaß ist das nicht.
Der umstrittene Kabarettist Dieter Nuhr hat sich und uns einmal zu Recht rhetorisch gefragt: „Ich weiß nicht, ob ich in einem Land leben möchte, bei dem auf dem Toilettenpapier das Wort ‚Danke‘ steht.“
Gute Frage. Deutschland, das ist oftmals ein Paradies für Masochisten, Apokalyptiker, Depressive und Selbst-Geißler. Dabei schimpfen wir auf die faule Nachkommens-Brut, erahnen das nahende Ende des Wohlstands und kaufen jede Menge Dosen-Ravioli, Wasserflaschen und Klopapier - auf dem „Danke“ steht. Was das alles mit dem Zitat von Dieter Nuhr zu tun hat? Nichts, aber es klingt einfach gut.
Oft hat man das Gefühl, wir sind eine alte und müde Nation, die sich nicht mehr viel zutraut. Die skeptisch und ein wenig ängstlich durch die aktuelle Weltgeschichte tappt und tunlichst vermeidet, Flagge zu bekennen und für seine Ziele zu kämpfen. Kranker Mann Europas? Das hört man höchstens hier im Lande, nicht bei unseren europäischen Freunden. Die glauben viel mehr an unsere Stärke - und fordern sie ein in Zeiten der multiplen Krisenherde.
Wo sind sie denn alle hin, die Romantiker wie Goethe, die Tüftler wie Ferdinand Benz, die Visionäre wie Albert Einstein, die Integratoren wie Willy Brandt? Was meinte nochmal der Torhüter-Philosoph Olli Kahn? „Eier, wir brauchen Eier!“ Mit dem Alter unserer Gesellschaft scheinen die Lebenssäfte auch dahinzuschwinden.
Oder heule ich jetzt auch schon? Begeben wir Deutsche uns nun kollektiv ins Betreute Wohnen, lassen uns regelmäßig wenden und freuen uns auf den Gute-Nacht-Pudding? Nein. Nein. Nein. Wir sind eine große Nation. Wir sind stark. Wir können vieles bewegen. Und unsere europäischen Nachbarn warten schon drauf.
Was das bedeutet? Dass wir uns auf die Hinterbeine stellen müssen. Dass wir unsere Führungsrolle in der EU aktiv annehmen müssen - egal, ob Orban oder andere Despoten dagegen opponieren wollen. Es ist Zeit für ein starkes Europa, und das gibt es nur mit einem starken Deutschland. Dazu müssen wir raus aus unserem Tal des Selbstmitleids. Jetzt.
Konkret: Mehr Geld für die Verteidigung, Schulterschluss mit EU-Nachbarn, die wirklich europäische Werte teilen und bereit sind, sich dafür einzusetzen, den anderen aggressiven Machtzentren in Peking, Moskau und vielleicht auch in Washington harte Kante zeigen, intensiv an der Integration unseres Kontinents zu arbeiten …
Es gibt viel zu tun - das hält jung.



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