Betrifft: Demokratie
- georgunbehaun
- Jan 20, 2024
- 2 min read

„Der Mensch an sich ist dämlich und deshalb dazu verdammt, immer wieder dieselben Fehler zu machen.“ Das ist ein Zitat von einem recht klugen Zeitgenossen - von mir. Oft ist das recht lustig. Wenn es aber um unser friedliches Miteinander geht, ist Schluss mit lustig. Unsere Demokratie ist in ernsthafter Gefahr. Wir müssen sie retten. Wir alle. Jetzt.
Vor fast 80 Jahren haben unsere teutonischen Vorfahren eindrucksvoll bewiesen, dass sich grenzenloser Größenwahn und menschenverachtender Rassenwahn nicht wirklich lohnen. Aber statt die Schuld an dem Desaster des Zweiten Weltkriegs bei der braunen Verbrecherbande und bei sich selbst zu suchen - schließlich hat man die eigenen Schlächter einst selber gewählt -, hatten sich viele in weinerliches Selbstmitleid verkrochen. Da brauchte es erst die 68er Generation, um die furchtbare Vergangenheit wirklich aufzuarbeiten. Und das ist unseren Müttern und Vätern nicht schlecht gelungen.
Aber heute? Da glaubt doch tatsächlich eine Mehrheit in den neuen Bundesländern nicht mehr an die Demokratie als beste Staatsform. Was denn dann - Orban-illegitime Demokratie? Putin-Diktatur? Wolkenkukucksheim? Lala-Land? Wie kann man so bescheuert sein. Sicher, unser System ist nicht perfekt, oftmals ungerecht und nicht selten widersprüchlich. Aber immer noch Lichtjahre vor all den korrupten, willkürlichen und brutalen Alternativen.
Ist das so schwer? Mir wird schlecht, wenn dummdreiste Schwafler davon raunen, man dürfe ja heute nicht mehr sagen, was man denkt - während sie uns volldröhnen mit dem Unsinn, den sie denken; wenn sie von einer BRD-Diktatur schwadronieren, ohne zu kapieren, dass sie gerade das Gegenteil live demonstrieren. Und es geht mir das Messer in der Hose auf, wenn diese Wutbürger von ‚ihren Grundrechten’ brüllen, während sie die Rechte aller anderen mit Füßen treten. Siehe ersten Satz oben. „Wir sind das Volk?“ - Nein, ihr nicht allein! Zum Glück.
In diesem Jahr gibt es eine Europawahl und drei Landtagswahlen im Osten Deutschlands. Alle vier Wahlen haben extrem gefährliches Sprengpotenzial für unsere Demokratie - dem System, das uns fast 80 Jahre Frieden und Freiheit garantiert hat. Für das es sich zu kämpfen lohnt. Dieses Land darf nicht noch einmal in die Hände der widerwärtigen Faschisten fallen. Nie mehr.
Denn das sind sie, die geistigen Brandstifter der AfD: Verfassungsgegner, Rassisten und Demokratiefeinde - alle zusammen. Sie wollen ein Land, in dem ich nicht leben will: mit spießigem Fremdenhass, blindem Autoritätswahn, hetzender Gesinnungsschnüffelei und bedrohlicher Rechtswillkür.
Sicher: die Ampel-Koalition hat eine sehr lange Lernkurve und lässt derzeit keinen Fettnapf aus, die CDU muss sich nach 16 Merkel-Jahren erst noch neu sortieren und die Linke macht sich eifrig selbst überflüssig. Wenn sich jetzt die Sahra Wagenknecht und die Werte-Union mit der AfD um die rechten Wähler streiten - hilft das vielleicht der Demokratie? Glaube ich nicht: das Lager der toxischen Systemfeinde wird nur noch größer, schnell stellt die Gruppe der dummdreisten Fundamental-Protestler, ewiggestrigen Staatsfeinde und ignoranten Nichtwähler die Mehrheit.
Es gibt also viel zu tun. Aber dafür müssen wir konkret und aktiv werden: jeder in seinem Umfeld. In der Familie, am Arbeitsplatz, im Verein, am Stammtisch. Die Möglichkeiten sind vielfältig, vom Diskutieren bis hin zur aktiven Teilnahme an politischen Aktionen: Demonstrationen, Parteiversammlungen, Petitionen, Social Media Kampagnen …
Es ist noch nicht zu spät.
Aber es ist fünf vor zwölf.



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