Betrifft: Bier
- georgunbehaun
- Jul 22, 2023
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Updated: Jul 23, 2023

Was war zuerst da: Wein oder Bier - wer weiß es? Richtig: der Wein, als vergorener Traubensaft vor rund 7000 Jahren in Georgien erfunden. Das Bier ist satte 1000 Jahre jünger und ein Produkt des Zufalls: nur weil ein sumerischer Brotbäcker seinem Teig vor anno dazumal zu lange in der altertümlichen Sonne hat stehen lassen. Er sollte ein Denkmal bekommen. Eine Ode an den Gerstensaft - vor allem, wenn er aus Belgien kommt.
Was Bier nicht alles sein kann: süffig, würzig, malzig, kräftig, leicht oder auch obergärig. perlend oder sogar vollmundig. Aber es gibt auch die dunkle Seite des vergorenen Getreidefusels: dann ist die Hopfenschorle schal, lack, bitter, sauer, fad oder noch schlimmer: alkoholfrei. Manche Menschen schrecken vor nichts zurück.
Bier, das hat sich tief in unserer Kultur, in unseren Sprachgebrauch eingenistet. Wenn es einem so richtig gut geht, hat man Bierlaune; wenn man es sich flüssigkeitstechnisch gut gehen lässt, bekommt man als Geschenk einen Bierbauch; bei den Trotteln von der AfD braut sich immer was zusammen, denn ihr Gefasel schlägt dem Fass den Boden aus oder bringt es zum Überlaufen. Aber das ist deren Bier. Und so weiter.
Aber Bier ist natürlich nicht gleich Bier. Es gibt so viele unterschiedliche Sorten und Geschmäcker wie Sterne am Himmel. Bei den Gourmets in den Vereinigten Staaten ist Hopfen und Malz verloren, denn dort trinken sie Budweiser oder Miller. Kenner sagen, es ist der erste gelungene Versuch, Wasser zu verdünnen. Dafür haben wir Bayern unser Lätschnbräu, das so dermaßen langweilig schmeckt, dass wir es gerne exportieren - dann mit dem Label Löwenbräu.
Gerade in exotischen Ländern wurde ich immer wieder positiv überrascht, wenn‘s um Bier ging: ob Thailand mit seinem Singa Beer, auf den Seychellen das Seybrew, in China das Tsingtao-Bier (logisch: ist ja auch von bayerischen Brauern gegründet) oder auf Tahiti das Hinano Lager - überall schmeckte das Bier erfrischend, teilweise originell und gar nicht langweilig. Korsika war besonders lustig: hier braut man allen Ernstes ein Bier aus Kastanien. Klingt schräg, schmeckt aber vollmundig und rassig.
Aber ganz ehrlich: Das einzig vernünftige Bier wird im Reich der Pralinen gebraut - im schönen Belgien. Hier hat‘s in jedem Kaff eine Dorfbrauerei, und ein Bier schmeckt besser als das andere. Die besten Gebräue produzieren die Mönche, allen voran die Trappisten: ein Schweige-Orden, dem es sogar verboten ist, ihren fantastischen Gerstensaft selbst zu probieren. Das nenne ich mal echte Askese.
Belgien hat noch andere Bierspezialitäten, die nur echte Kenner zu schätzen wissen - Experten wie ich. Als erstes ist hier das Kirsch-Bier zu nennen, das Kriek, besonders süffig an heißen Sommertagen. Ähnlich in Geschmack und Wirkung ist das Pfirsich-Bier, gefolgt vom Himbeer-Bier, auch sehr lecker. Das Whisky-Bier schließt dann den illustren Kreis der belgischen gebräutechnischen Abarten. Viele verstehen meine positive Beurteilung nicht, aber das ist auch gut so,
Denn dann bleibt mehr für mich übrig.



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