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Betrifft: Besserwisser


… klingt viel familientauglicher als der Fachterminus Klugscheißer, bezeichnet aber denselben Typus Zeitgenosse. Wie zum Beispiel: mich. Sagt wenigstens meine Frau, und die muss es nach 33 Jahren intensiver Partnerbetreuung ja wissen. Dieser Blog-Beitrag dient dazu, wenigstens ausschnittsweise mein umfassendes und erstaunliches Wissen der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Um bildungstechnisch auch so beeindruckend glänzen zu können wie ich.

Los geht’s mit Gegenständen aus dem Alltag, deren Bezeichnung kein Schwein kennt. Da gibt es zum Beispiel die Stromabnehmer auf den Dächern der Triebwagen von ICE und Co, die an kalten Wintertagen so lustige Funken schlagen. Die nennt man: Pantographen. Toll, oder? Mit solchen Spezialwissen macht man mächtig Eindruck auf jeder Stehparty.

Oder wie wäre es mit den lustigen rot-weiß gestreiften Zylinder-Hütchen bei Baustellen? Das sind sogenannte Pylonen. Und wie zum Teufel bezeichnet man das komische Gummiding, mit dem man verstopfte Abflussrohre wieder frei stampfen kann? Der hat den wohlklingenden den Namen Pömpel - ein Begriff, der in sich ja schon fast wie eine Beleidigung klingt.

Oder: Weiß jemand, was ein onomatopoethischer Ausdruck ist? Nein? Das sind Wörter, die mit ihrem Klang den Inhalt schon verkörpern, Wörter wie: brabbeln, bubbern, zischen oder knattern. Vor dem Gebrauch des Wortes onomatopoethisch sollte man allerdings die Aussprache am besten vor dem Spiegel üben.

Mein Lieblingsbegrff ist der Fachterminus für den neunarmigen Kerzenhalter im Judentum: der heißt Menora. Meine Holde hatte den stets mit dem Namen der Göttin Minerva verwechselt, und es war für mich ein Riesenspaß, sie immer und immer wieder zu fragen, und sie meinte immer und immer wieder: Minerva. Klugscheißer-Humor eben. Was haben wir gelacht!

Auch schön: Wenn jemand davon faselt, irgendetwas oder irgendwer sei hochnotpeinlich. Dann kann man ihn besserwisserisch verbessern, der Ausdruck käme aus den düsteren Zeiten der Inquisition, in der eine hochnotpeinliche Befragung ein Synonym für schwere Folter war. Meist kehrt dann hochnotpeinliches Schweigen ein.


Und wenn das alles noch nicht eindrucksvoll genug war, sollte man eine Salve aus konzentriertem Besserwissen abschießen: Die größte deutsche Weintrinkerstadt ist München, wohingegen die größte Biertrinkerstadt Dortmund ist; in Frankfurt am Main und nicht in Hamburg befindet sich Deutschlands größter Fischmarkt (wg. Flughafen), in der unspannenden Pfälzer Metropole Mannheim wurde das Fahrrad erfunden, der beste Pfälzer Spargel hingegen kommt aus Schwetzingen, und der kommt in Wirklichkeit meist aus Bruchsal, wenn den Schwetzingern die Schlabberstangen ausgehen; und die größte Startup-Region Deutschlands ist der wunderschöne Landkreis Starnberg und nicht das olle Berlin.

Auch geschichtliche Wissensblitze lassen einen im verblüfften gesellschaftlichen Umkreis hell aufleuchten: Nero hat Rom nicht angezündet, Kolumbus wollte gar nicht nach Indien, Martin Luther hat nie gesagt: Hier stehe ich, ich kann nicht anders und der Sonnenkönig Ludwig IX. hatte eine Glatze, deshalb die Perückenmode.


Den feierlichen Abschluss bilden Redewendungen und deren Ursprung: Einen Zahn zulegen kommt von den mittelalterlichen Großküchen, bei denen die riesigen Töpfe per Zahnraster nach oben oder unten bewegt werden konnten, also näher oder entfernter vom Holzfeuer; bis in die Puppen gehen bedeutete, am Wochenende bis zum Berliner Friedensengel hinaus zu spazieren, denn die ‚Goldene Else‘ war von einem Reigen steinerner Figuren umgeben, die wie Puppen aussahen; etwas auf die hohe Kante legen war die Bettkante am Kopfende, damit andere nicht das Geld klauen konnten; und der Ausdruck ‚keine Fisimatenten machen‘ kommt angeblich von den notgeilen französischen Soldaten, welche die Damenwelt einluden mit: „Visitez ma tente“, also: Besucht mein Zelt. Klingt irgendwie gelogen, klingt aber auch originell.


So, das war’s mit einem kurzen Einblick in meine prall gefüllte Schatztruhe trivialen Wissens. Hoffentlich konnte ich meine Leser verblüffen, erstaunen, begeistern und erleuchten. Ich habe mir damit jetzt nur ein Problem geschaffen:


Ich muss mir jetzt wieder neue Munition anlesen.



 
 
 

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