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Betrifft: Belgien


Kleines Land im Herzen Europas, oben links, auf der Durchreise nach Holland oder Engelland - Belgien ist irgendwie einfach da, liegt so rum und gebiert leckere Pralinen. Aber braucht es das wirklich? Reichen die anderen Länder der EU nicht völlig aus? Mitnichten. Ein Plädoyer für ein liebenswertes Königreich.


Das geht los mit dem mediterranen Temperament der Einwohner. Na ja, vielleicht ist die Bezeichnung etwas irreführend. Denn der durchschnittliche Belgier ruht in sich. Wenn was los ist, schaut er. Das war‘s meist: er schaut einfach. Und wenn man ihn fragt, wie‘s denn so geht, dann antwortet er gerne mit einem gedehnten: „Moooah“ - irgendetwas zwischen: nicht so toll, aber auch nicht dramatisch. Belgisch eben.


Einen Belgier verblüfft man nicht. Er ist in vielen Aspekten das Alter Ego vom Holländer, der oft laut, gesellig und überkommunikativ im Vordergrund rumtanzt. Da bleibt der Belgier ganz ruhig. Redet nicht viel und pflegt das Prinzip: Leben und leben lassen. Da könnten sie glatt Bayern sein. Wie auch bei der Liebe zum Bier, allerdings mit wesentlich mehr alkoholischen Umdrehungen. Kommt gut.


Was dem Deutschen sein Urlaub (und Zweit-Urlaub und Dritt-Urlaub), ist dem Belgier der Hausbau und der Inhalt seines Kühlschranks. Ein Besuch im Supermarkt gleicht oft einem deutschen Delikatessladen. Und die Qualität des belgischen Fleischs im Vergleich zu unseren carniforischen Produkten ist wie der zwischen dem glorreichen FC Bayern und 1860 München. Also sowas von dramatisch.


Die berühmteste historische Stadt ist Brügge, die schönste Stadt ist Gent: steinerne Zunfthäuser aus dem 11. Jahrhundert, reflektierende Wasserläufe und edle Patrizierhäuser im romantischen Backsteinstil und bunte zinngefassten Butzenscheiben. Durch den Tuchhandel zwischen England und dem Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation wurde sie einst sogar die reichste Stadt der damaligen Welt.


Bekannt ist Belgien auch für seine politische Vielfalt. Das bedeutet: alle Parteien gibt es mindestens zweimal: eine für die französischsprachigen Wallonen, eine für die niederländisch sprechenden Flamen. Und Brüssel dreht oftmals auch noch eine Sonderlocke. Es gibt ebenso viele Polizei-Organisationen, die ungern miteinander reden. Ein Paradies für alle Kriminelle dieses Erdenrund. So erklären sich die Skandale des Kinderschänders Dutroux oder der Einzug der mexikanischen Drogenmafia im Antwerpener Containerhafen.


Belgien ist ein junges Land, es gibt das Königreich erst seit 1830. und seine kulturellen Bestandteile sind seitdem nicht richtig zusammengewachsen. Erst die schicksalshaften Begebenheiten der letzten Jahrzehnte haben die Flamen und Wallonen ein wenig mehr zusammenrücken lassen und natürlich ihre fantastische Fußball-Nationalmannschaft.


Was kann man noch sagen über das Land zwischen dem Ärmelkanal und den Ardennen? Die Pralinen machen dick und schmecken einzigartig, das Atomium in Brüssel ist grotesk-grandios, Leopold II war ein kolonialer Sausack, der Winter in Belgien ist eine tiefe Depression in Grauschattierungen und  das Bier ist Weltspitze.  Reicht für einen längeren Wochenend-Trip.


Aber nicht im Winter.

 
 
 

1 Comment


Christian Frank
Jul 13, 2024

👍und der Film dazu, mein absoluter Lieblingsfilm:


https://www.google.com/search?q=br%C3%BCgge+sehen+und+sterben&ie=UTF-8&oe=UTF-8&hl=de-de&client=safari

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