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Betrifft: Bayern


Als Gott am siebenten Tage der Schöpfung ein wenig durchschnaufte, war ihm mit einem Mal langweilig, und er hatte noch einen Teigrest seiner Erdenerschaffung übrig. Den klopfte Er zu einer kleinen Fläche platt, streute Kieselsteine drauf, ein paar Bierbänke dazu, Bierfässer drauf, und schon war das kleine Paradies fast fertig. Fehlten nur noch die richtigen Einwohner - mit einer leistungsfähigen Leber und dicken Schädeln. Willkommen im Voralpen-Shangri-La!

Hier gibt’s Dinge, die man sonst in der Welt vergeblich sucht: Saures Lüngerl, Hüte mit Gamsbärten, Getränk-Gefäße in Kübelgröße und Damenbekleidung, welche die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane prominent ausstellt statt schamvoll verdeckt. Auch das gehört aus bayerischer Sicht zu einem richtigen Paradies.

Und dann die ganzen Superlative in weiß-blau: größtes Sauf-Fest des Planeten, ältester Biertempel der Geschichte, tollster Fußballverein des Universums - und die größten Herzen aller Menschen ever: das berühmte Münchner Herz im 19. Jahrhundert - dreimal größer als andere, ein stolzes Ergebnis konsequenten Bierkonsums.


Hier ist vieles mehr als woanders. Das Bier schmeckt süffiger, der Himmel strahlt weiß-blauer und die Politiker sind korrupter als die laschen Abklatsche in Rest-Deutschland. Hier setzt man noch auf Tradition. Politik wird von gottesfürchtigen Wirtshaus-Gängern der Christlich-Sozialen Union verantwortet und die Sozen müssen draußen bleiben. Das hat Tradition.

Daneben wird die Zukunft des Erdenrunds mitgestaltet. Hier werden Raketen gebaut, an Künstlicher Intelligenz geforscht und stromgetriebene Flugtaxis entwickelt. Und die Uni München gewinnt Jahr für Jahr den Tüftlerpreis von Elon Musk für seinen Hyperloop.


Dies alles erzeugt bei den Einwohnern ein Selbstbewusstsein, das seinesgleichen sucht: Mia san mia. Und deshalb hat Bayern auch einen direkten Draht zum Allerhöchsten. Wir können sogar Papst. Man ist hier quasi schon in der Vorstufe des Himmels, in dem sogar der Senf zur Weißwurscht bekanntlich süß schmeckt.

Auch sprachlich ist im Land der Bajuwaren manches anders als in anderen Bundesländern. Das Imperfekt ist unbekannt und der Genitiv wurde neu erfunden: statt „Der Hund der Köchin des Herrn Vikars“ heißt es: „Dem Pfarrer sei Gschpusi ihr Köter“.


Verneinungen werden inflationär verwendet, zum Beispiel: „Na, i war gar nie nicht niemals so b‘soffen wia gestern.“ Und wenn jemand zum Nachbarn sagt, er sei ein Hund, ein elendiger, dann sollte er das getrost als Kompliment verstehen und ihn nicht wegen Beleidigung anzeigen. Erlernen kann man das Idiom übrigens nicht - man muss es mit der biergeschwängerten Muttermilch aufgesogen haben, sonst hört man den Preißn unvermeidlich heraus.

Fazit: Ist Bayern nun ein anderes Wort für Paradies? Natürlich nicht: auch hier gibt es Umweltverschmutzung, Klimakatastrophe, ausgebootetes Prekariat und nationalen Chauvinismus. Und auch hier ist das Leben eines der schwersten.

Aber es fühlt sich einfach besser an.

 
 
 

1 Comment


Michael Branham
Michael Branham
Jun 03, 2023

Thank you Schorsch. I hob gar nie nicht niemals seit ewig so glacht. Da Michi

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